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FLITZE FINGER GUMMI NÄSTIK (I)

Hier finden preisbewußte Musiker ihr amtliches Equipment

mailto: r.Kottke@geilundlaut.de


Auch im Jahr 2001 verhält sich der ostfriesische Sommer ganz traditionell. Im Juni gab es etwa 7 wolkenfreie heiße Tage und seitdem regnet es. Das Musikaliengeschäft läuft im “Sommer” naturgemäß mit leicht angezogener Handbremse, also genug Zeit, um die Homepage des Online-Shops www.frisia-toene.de ein wenig aufzupolieren - und natürlich Zeit, um den einen oder anderen geillauten Workshop zu verfassen.

Wie der Titel dieses Workshops ganz offensichtlich schon verrät, wird es im folgenden um Übungen gehen, mit der ihr eure Greifhand dahingehend trainieren könnt, Akkorde schnell, gezielt und vor allem effizient zu greifen, zu wechseln, und auch leichter neue Akkorde zu erlernen.

Die hier präsentierten Beispiele sind in ihrem Schwierigkeitsgrad teilweise recht unterschiedlich, es sollten also Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen fündig werden. Dabei baut sich der Workshop zwar einigermaßen linear auf, aber auch ein Quereinstieg bei einer späteren Übung weiter unten ist möglich. Wie immer gilt die alte Musiker-Trainingsweisheit, dass sauberes fehlerfreies Spiel vor Geschwindigkeit geht.

Wenn ihr schließlich etwas in einem langsamen Tempo sicher beherrscht, sollte dieser Teil danach nicht weiter Gegenstand des eigentlichen Übens sein, sondern in ein Repertoire an “Aufwärmübungen” eingehen. An jedem neuen Tag, an dem ihr eure Gitarre zum ersten Mal in die Hand nehmt, solltet ihr mit solchen technischen Fingerübungen beginnen (Und auch nach mehrstündigen Pausen). Es ist ein angemessener Wert, wenn ihr “Pi-mal-Daumen” knapp 20 Prozent eurer beabsichtigten Übe-Zeit für solche technischen Fingerübungen aufbringt. Wer also 1 1/2 Stunden täglich übt, für den sind 15 - 20 Minuten Warmspielen empfehlenswert. Im Laufe der Monate wird sich dann die Geschwindigkeit, mit der ihr diese Finger-Akrobatik greifen könnt, ganz automatisch erhöhen.


Leider sind Technik-Übungen, wenn man mal von späteren Temporekorden absieht, eher Spaßbremsen. Darum jetzt als Einstieg eine Greifübung, die sogar richtig gut klingt:

Trainiert wird in dem folgenden Beispiel das Greifen der beiden einfachen Dur-Barré-Akkorde mit dem Grundton auf der E- bzw. auf der A-Saite. Es kommen nur diese 2 Akkordgriffe ins Spiel, die aber auf dem Griffbrett mehrfach verschoben werden. Das eigentliche Salz in der Suppe jedoch ist, dass beide Griffe sich (fast) immer abwechseln, so dass ihr jedesmal neu greifen müßt. Die Übung ist im übrigen auch geeignet, um die Muskelkräfte von Greifhand und Finger zu erhöhen.

Hier also die beiden Griffdiagramme:

barree-akkord1 barree-akkord2

Je nachdem, in welchem Bund ihr nun “zulangt”, spielt ihr den jeweils angegebenen Akkord. Die ausgefüllten schwarzen Punkte zeigen das Vorkommen des den Namen stiftenden Grundtons an. Beim Griff links liegt der Bass-Grundton (H/A/G) jeweils auf der tiefen E-Saite. Beim rechten Diagramm befindet sich der Bass-Grundton (F#/E/D/C) jeweils auf der A-Saite. Hier wird die tiefe E-Saite abgedämpft und auch nicht angeschlagen.

Da ich selber Hände so groß wie Tennisschläger habe, ist es mir unmöglich, den rechten Akkord (auf der E-Gitarre) so zu greifen, wie oben notiert. Ich setze deswegen für die drei Töne auf D-, G- und H-Saite allein den Ringfinger ein. Ich greife also beispielsweise im 5. Bund die A- bis hohe e-Saite mit dem Zeigefinger barré und im 7. Bund die D- bis H-Saite mit dem Ringfinger barré - quasi ein Doppel-Barré-Griff. Dies kommt aber wirklich nur als Notfall-Version in Frage, wenn jemand genauso große Pranken hat. Und leichter ist es auch nicht, vor allem weil, der Barré-Ringfinger sehr stark “rückwärts” gebogen werden muß, damit die drei gewünschten Saiten sauber klingen und trotzdem die hohe e-Saite freischwingt und nicht etwa abgedämpft wird.

uebung1
Hörbeispiel

Spielt die Sache sehr langsam und anstatt bald das Tempo zu erhöhen, kann man die Übung auch so variieren, dass man 4 Akkorde in einen Takt legt, also dass jeder Akkord nur noch als ein Viertel angeschlagen wird.

Unten in dieser Grafik habe ich die Akkordfolge der Übung notiert. Einfacher ist es aber, sich die Übung grafisch zu merken. Die Akkordfolge ist fast so etwas wie ein Zick-Zack-Kurs über das Griffbrett. Im 7. Bund geht es mit H-Dur los (1), ihr wechselt schräg nach oben zu F#-Dur (2), kommt nochmal zurück zu H-Dur (3), wechselt zum Nachbarn E-Dur (4), nun diagonal abwärts zu A-Dur (5), weiter zum Nachbarn D-Dur (6), Achtung! Jetzt gerade runter zu C-Dur (7) und zuletzt ein Anschlag auf G-Dur (8) - eine Viertelpause und nochmal von vorn.

Während hier alle Anschläge von oben ausgeführt werden, kann man als eine weitere Variation, die Übung in Achtelanschlägen spielen und die Saiten abwechselnd von oben und unten anschlagen.

Wer mit den Barré-Akkorden noch völlig auf Kriegsfuß steht, kann das Beispiel auch reduziert nur mit Quintintervallen spielen (siehe Kapitel 5: “Powerchords”)


Ich habe schon in früheren Workshops darauf hingewiesen, dass eine effiziente Spielweise die absolute Voraussetzung dafür ist, ein guter Gitarrist zu werden. Dabei sind bei diesem Stichwort zwei ganz unterschiedliche Körperteile betroffen. Mit wenig Aufwand viel zu erreichen, das ist einerseits eine Frage der “Rechnerleistung” des Musikerhirns, andererseits eine Frage der Beweglichkeit von Fingern und Händen. Letzteres soll ja in diesem Workshop verbessert werden.

Trotzdem hier auch ein Wort zu den geistigen Fähigkeiten: Vor jeder Note steht das Denken! Dabei ist alles, was ihr spielt ein Gemisch von Zutaten aus dem “Festspeicher” und dem “Arbeitsspeicher” in eurem Kopf. Z. B. ist für die Übung oben eine Grundvoraussetzung, dass ihr einen 4/4-Takt spielen könnt. Dieses Können sollte automatisch aus eurem Kopf abrufbar sein, ohne dass ihr darüber irgendwie nachdenken müßtet. Wer die Dur-Barré-Akkorde schon seit Jahren greifen kann, muß auch darüber nicht eine Sekunden schwitzen. Er braucht sich lediglich die neue ihm bisher unbekannte Akkordfolge einprägen. Dieser Vorgang geschieht solange im “Arbeitsspeicher”, bis die Akkordfolge verinnerlicht ist und in den Festspeicher transferiert werden kann. Effizienz im Kopf bedeutet für den Gitarristen, soviel wie möglich aus dem Festspeicher ohne aufwendiges Nachdenken abrufen zu können und damit den Arbeitsspeicher so frei wie möglich zu halten. Denn hier im Arbeitsspeicher wirken auch die Emotionen, die tagesaktuellen Befindlichkeiten, eure Fitness und Kreativität, also das, was ihr für Interpretation und Ausdruckskraft in “eurer” Musik benötigt.

Man kann aus diesen sehr theoretischen Gedanken ein paar ganz praktische Konsequenzen ziehen: 1) Eine nur halb gelernte Fähigkeit, die nie im “Festspeicher” angekommen ist, wird zu einem Klotz am Gitarristenbein, wenn irgendwann irgendetwas gelernt werden soll, das auf diese Fähigkeit aufbaut. 2) Eine Gitarrenübung mit mehreren neuen Aspekten sollte Stück für Stück gelernt werden. Man kann die Übung wahrscheinlich zerlegen in einzelne Vorübungen. 3) An einem Tag, an dem euer Arbeitsspeicher mit allerhand “Treibgut” blockiert ist, kann auf der Gitarre rumdaddeln helfen, den Kopf wieder freizukriegen. Üben könnt ihr auch morgen noch, wenn ihr wieder aufnahmefähig seid. 4) Kenntnisse der eher theoretischen Art wie z. B. alle Töne des Griffbretts oder welche Töne bilden im Akkord die große bzw. kleine Septime usw. usf. erleichtern das “Musikmachen” tagtäglich, wenn ihr sie aus dem Kopf und nicht aus einem Lehrbuch abrufen könnt.


Eine extrem öde Sache ist für viele das Erlernen von neuen Akkorden und deren Wechsel (Obwohl es ja auch richtige Akkordjäger und -sammler geben soll!). Und genau darum geht es in den folgenden Übungen, die zum einen die mechanische Beweglichkeit der Finger verbessern und zum anderen ein paar Strategien deutlich machen sollen, mit denen man die einzelnen Finger schneller und präziser ins anvisierte Zielgebiet (Saite X / Bund Y) bringen kann.

a-moll c-dur

In diesem 1. sehr einfachen Beispiel wechselt ihr zwischen den Akkorden a-moll und C-Dur hin und her. Das könnt ihr zunächst spielen, wie es euch am leichtesten fällt, also wahrscheinlich 1 Takt “a-moll”, 1 Takt “C-Dur” usw. Man kann bei einer langsamen Zählzeit diese Akkorde aber auch auf Viertelnoten spielen und wechseln. Und wer das rhythmisch sicher beherrscht, kann ab und an auch 4 Anschläge und Wechsel in Achtelnoten einstreuen. Das heißt, dass ihr den Akkord auch wechselt und neu anschlagt, wenn eure Hand nach dem letzen Anschlag wieder von unten herauf kommt.

Wichtig, und das ist der eigentliche Sinn dieser Übung, ist, dass ihr beim Wechsel zwischen diesen beiden Akkorden NUR den Ringfinger bewegt. Es ist okay, wenn die beiden anderen Finger in ihren Bünden ein wenig sich “zurechtrutschen”, aber sie verlieren auf keinen Fall den Hautkontakt zum Griffbrettholz. Da keine Bewegung der Greifhand über diese eine Bewegung des Ringfingers hinaus notwendig wird, ist jede zusätzliche Bewegung ineffizientes Gitarrenspiel und dies gilt insbesondere für den Fall, dass ihr die Hand komplett vom Griffbrett abhebt, um den Griff jeweils ganz neu anzugehen.


c-dur7

Das nächste Beispiel geht von einem Dur-7-Akkord aus. Wenn ihr den normalen C-Dur-Akkord spielen könnt, dann könnt ihr auch C-Dur7 greifen. DIES IST KEIN NEUER AKKORD, DENN HIER KOMMT NUR EIN EINZIGER FINGER HINZU. DAS IST DOCH EINFACH - ODER?

Es soll von C-Dur7 nach C-Dur7/b9 gewechselt werden und das wäre eigentlich auch ganz einfach, denn man bräuchte dafür allein nur den Zeigefinger auf der H-Saite vom 1. in den 2. Bund hochschieben. Wenn man das Handgelenk etwas “überdreht”, dann funktioniert das sogar, fühlt sich aber leider relativ unbequem an. Probiert´s mal aus!

kreuzen

Hier kommt nun ein findiger Trick ins Spiel: Ihr verändert am Ausgangsgriff ausnahmsweise mehr als eigentlich nötig, damit der neue Akkord bequem, mit gringem Kraftaufwand und ohne verdrehtem Gelenk greifbar ist.

In dieser Darstellung zeigt die obere Hälfte das fertige Griffbild nach dem Umgreifen. Unten wird die Überkreuzbewegung von Zeige- und Mittelfinger nochmal schematisch in 2 Schritten (vorher - nachher) im Detail beschrieben.

Was passiert hier in Super-Slow-Motion?

Der Ringfinger und der Kleine Finger sind bei diesem Akkordwechsel ziemlich arbeitslos. Sie dienen lediglich dazu, der Greifhand Stabilität zu geben, so dass man nicht irgendwohin wegrutscht. Eigentlich könnte ebenfalls der Mittelfinger wie beim C-Dur7-Akkord auf der D-Saite im 2. Bund liegen bleiben, weil dieser Ton weiterhin gebraucht wird. Der neue Griff ist aber einfacher, wenn der Mittelfinger auf die h-Saite wechselt (da kommt die kleine None hinzu, die dem Akkord das “b9” im Namen verpasst) und der Zeigefinger nun die verwaiste Position auf der D-Saite einnimmt. Dies ist in etwa eine Überkreuz-Bewegung beider Finger.

Wenn euch der Klang des Wechsels zwischen C-Dur7 und C-Dur7/b9 anfängt zu langweilen, dann könnt ihr beide Griffe gemeinsam über das Griffbrett verschieben und diesen Wechsel auch in anderen Bünden üben, allerdings müßt ihr dann darauf achtgeben, dass die Note “E” meistens nicht zu den dort gegriffenen Akkorden passt und deshalb tiefe und hohe E-Saite nicht angeschlagen werden dürfen bzw. von der Greifhand gleichzeitig abgedämpft werden müssen.


Im nun folgenden Beispiel taucht wieder die markante Überkreuzbewegung der Greifhandfinger auf. Es wird noch ein wenig schwieriger, denn diesmal müssen alle 4 Finger ihre Postionen für den neuen Akkord verändern. Dafür kann man hier aber eine weitere Strategie für einen schnellen und sauberen Griffwechsel herausfinden.

Die neue Übung besteht aus dem Wechsel zwischen den Akkorden E-Dur7 und D-Dur-maj7 (major 7 = große Septime, wird englisch ausgesprochen: “Mä-tcha”)

e-dur7
d-dur-maj7

Der E-Dur7 sollte keine Schwierigkeiten bereiten, denn dies ist der bereits bekannte C-Dur7-Griff um 4 Bünde auf dem Griffbrett nach oben verschoben.

Ich habe die Positionen für Mittel-, Ring- und Kleinem Finger mit einem dünnen roten Quadrat extra markiert, weil ganz offensichtlich die geometrische Anordnung dieser 3 Finger beim Akkordwechsel vollständig erhalten bleibt!

Die Überkreuzbewegung wird also ausgeführt von einerseits dem Zeigefinger und andererseits den 3 weiteren Fingern, die aber als ein fester “Block” angesehen werden & gegriffen werden müssen.

Eigentlich ist dies gar nicht neu, denn das Verschieben von z. B. Barré-Akkorden längs des Griffbretts lernt auch der Einsteiger schon frühzeitig. Hier wird ein Griff - bzw. ein großer Teil davon - quer zum Griffbrett verschoben. Wichtig ist also, die geometrische Figur dieser drei Finger, die ein Dreieck bilden, beizubehalten, wenn ihr sie vom Griffbrett abnehmt, um sie eine Saite höher bzw. niedriger wieder aufzusetzen. Mit dieser Methode spart ihr sowohl unnötige Fingerbewegungen als auch Gedächtnisleistung, denn obwohl bei diesem Akkordwechsel alle 4 Finger sich verändern müssen, braucht ihr euch doch nur 2 Bewegungen zu merken.

hr könnt in einer Vorübung den Zeigefinger zunächst weglassen und nur das Umsetzen von Mittel-, Ring- und Kleinem Finger üben. Achtung hier ist das Risiko groß, sich zum Schraddeln über alle 6 Saiten verleiten zu lassen. Darum übt bei dieser Gelegenheit auch gleich intensiv das Abdämpfen der beiden E-Saiten. Dabei übernimmt die Daumenkuppe der Greifhand die tiefe E-Saite und der Ballen an der Wurzel des Zeigefingers der Greifhand die hohe e-Saite.

Wenn die Vorübung gut klappt, schraubt das Tempo wieder zurück, nehmt den Zeigefinger mit in den Akkordwechsel hinein und widmet euch der Überkreuzbewegung.

In der Regel lernen Gitarren-Ein- und Aufsteiger Akkorde ja nur unter Zwang. Und dieser Zwang tritt ihnen meist in der Form eines besonders angesagten Songs einer besonders angesagten Band entgegen. Wenn ihr also mal notgedrungen auf Akkorde stößt, deren Greifen und Wechseln euch völlig unmöglich erscheint, dann probiert es auch dort mal in “Super-Slow-Motion”: Schaut euch an, welcher einzelne Finger wohin rücken muß. Welcher Finger liegen bleiben kann, damit die nötige Gesamtbewegung minimiert wird. Gibt es eine generelle Bewegung, die euch schon von anderen Akkordwechseln bekannt ist? Ist euch die “Geometrie” des Griffbilds zumindest in Teilen von früheren Akkorden her bekannt?


Die jetzt folgende Übung hat keinen so praxisnahen Hintergrund wie die bisherigen Akkordwechsel, sondern ist vor allem eine Kraft-, Beweglichkeits- und Dehnübung. Man darf diese Übung durchaus als etwas widerspenstig bezeichnen, denn es soll zwischen 2 Griffbildern gewechselt werden, die zueinander spiegelbildlich sind. Dabei müssen alle 4 Finger bei jedem Wechsel genau in ihre spiegelbildliche Position gebracht werden. Und das führt uns zur Mörder-Überkreuzbewegungs-Übung!

Zu theoretisch? Here we go ...

x-maj7 xy

Ich habe hier zwei Griffbilder für die Bünde 5 bis 8 notiert. Dies soll zunächst aber nur die Vorübung sein. Die gestrichelte rote Markierung im rechten Diagramm zeigt die Linie an, an der die einzelnen Fingerpositionen gespiegelt werden. Übt den Wechsel erstmal so: ein Takt (4 Anschläge) linker Griff, ein Takt rechter Griff usw. usf.

Wenn man sieht, dass alle Finger zueinander sich jeweils überkreuz bewegen müssen, dann könnte man schnell zu dem Schluß kommen, dass diese Übung sicher der denkbar schwerste Griffwechsel innerhalb einer Lage sein müßte. (Innerhalb einer Lage heißt, dass Wechsel von z. B. 1. in 9. Bund nicht berücksischtigt werden)

Aber auf dem 2. Blick bietet sich dem Gitarristen ein Trick an, der schon aus dem vorigen Beispiel bekannt ist. Denn obwohl die Griffbilder komplett gegensätzlich aussehen, bilden alle 4 Finger eine geometrische Figur, die sich beim Wechsel nicht ändert - NÄMLICH EINE LINIE! Der Trick ist also, beim Umgreifen nicht auf die einzelnen Finger zu achten, sondern nur diese Linie im Auge zu haben, die lediglich gespiegelt bzw. um 90 Grad gedreht werden muß.

Wenn ihr den Wechsel in einem langsamen Tempo gut beherrscht, dann verschiebt beide Griffbilder um einige Bünde nach oben:

# die E-Gitarristen soweit, dass der Zeigefinger im 12. Bund auf der hohen e-Saite landet, beide Griffe erstrecken sich also in diesem Fall vom 12. bis zum 15. Bund

# die Westerngitarrenspieler verschieben den Griff zwei Bünde weniger weit also nur bis in den 10. Bund und auf der Klassischen Gitarre wird nur bis zum 8. Bund verschoben.

Im absoluten 4/4-Schnecken-Tempo-Takt greift ihr nun auf jeder Zählzeit um, also jedesmal, wenn der klopfende Fuß auftritt wird neu gegriffen: 1 - linkes Griffbild (s. o.), 2 - rechtes Griffbild (s. o.), 3 - wieder linkes Griffbild aber einen Bund niedriger, 4 - rechtes Griffbild einen Bund niedriger. 1 - linkes Griffbild nun schon 2 Bünde niedriger, 2 - rechtes Griffbild 2 Bünde niedriger, 3 - linkes Griffbild 3 Bünde niedriger, 4 - rechtes Griffbild 3 Bünde niedriger.

Ihr greift also im Vierteltakt um und wenn ihr beide Griffbilder in demselben Bund angeschlagen habt, geht ihr einen Bund tiefer. Wenn ihr im 1. Bund angekommen seid, lasst ihr den letzten Griff kurz ausklingen und spielt anschließend das Ganze rückwärts wieder das Griffbrett rauf (diesmal also mit dem rechten Griffbild anfangen)

Hörbeispiel

Wenn ihr bis hierher den Spaß daran, eure Finger auf dem Griffbrett zu foltern, noch immer nicht verloren habt, dann sollte euch diese “nette” Dehnübung jetzt aber den Rest geben ;-))

Die Übung basiert auf dem linken Griffbild der vorigen Übung:

c-maj7

Verschoben in den 7. Bund, trägt der Akkord den Namen C-maj7. Der Grundton liegt dabei auf der D-Saite im 10. Bund. Dieser Griff ist insofern bemerkenswert, dass hier die Töne des Akkords tatsächlich einmal in der aufsteigenden Reihenfolge gemäß ihrer Tonleiter vorkommen, was auf der Gitarre ja eher eine Ausnahme ist.

Gespielt werden soll der Akkord mit einem einfachen Zupfmuster im 4/4-Takt. Ein “Durchgang” dieses Zupf-”Patterns” beansprucht 4 Achtelnoten, folglich passen 2 Durchgänge in einen Takt.

Nach jedem Durchgang wird ein einzelner Finger um einen Bund nach unten verschoben. Angefangen wird mit dem Zeigefinger und weiter geht es mit der natürlichen Reihenfolge der Finger also Mittelfinger, Ringfinger und zuletzt der Kleine Finger.

Wenn als Letzter der Kleine Finger nachgerückt ist, sind 4 Durchgänge = 2 Takte gezupft. An dieser Stelle liegt wieder ein Major7-Akkord vor. Und weiter geht´s das Griffbrett runter.

Da nach unten hin die Bünde ja immer breiter werden, wird das Ausmaß der nötigen Fingerdehnung immer größer. Bevor die Übung ernsthafte Schmerzen verursacht, solltet ihr sie nicht bis in den 1. Bund hinunterspielen, sondern z. B. bereits im 3. Bund abbrechen und wieder neu im 7. Bund anfangen.

Es ist Sinn dieser Tortur, die Spreizfähigkeit eurer Greifhand zu erhöhen. Schon deshalb muß sie grundsätzlich sehr langsam gespielt werden!

dehnuebung
Hörbeispiel

Das Pattern funktioniert so:

Auf die Zählzeit “1” zupft ihr gleichzeitig mit dem Daumen die D-Saite und mit dem Ringfinger die hohe e-Saite.

Auf Zählzeit “1u” zupft der Mittelfinger die H-Saite, auf “2” der Zeigefinger die G-Saite und auf “2u” wieder der Mittelfinger die H-Saite.

Es ist wichtig, darauf zu achten, dass für jede einzelne Saite immer nur derselbe Finger eingesetzt wird!!!

E-Gitarristen, die soweit einigermaßen klarkommen, sollten den Beginn der Übung hoch in den 12. Bund verlegen. Das bringt nochmal eine kleine Verschärfung des Schwierigkeitsgrades :-))


 

FLITZE FINGER GUMMI NÄSTIK (II) - RÜCKKEHR NACH ROSEWOOD

Demnächst  in diesem Theater: Dann mit Übungen, die die Fingerfertigkeit besonders im Hinblick aufs Solospiel trainieren sollen!

 

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