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Kauf mir nen Dingens aus Holz, mit 6 Drähten dran,

wozu man doll laut singen kann - Part II (-> eine akustische Gitarre kaufen)

Dies ist ein Gitarren-Workshop für Leute, die gar keine Gitarre haben - aber die zuversichtlich sind, diesen bedauernswerten Zustand in Bälde beenden zu können. Wer also den Kauf eines Instruments plant, findet hier Informationen und Tipps, die helfen sollen, daß die Anschaffung der ersten Gitarre wohlüberlegt und gut unterrichtet geschieht.

Erfahrene Gitarristen wissen, dass sich Fehlkäufe nicht absolut ausschließen lassen, aber der Fortgeschrittene erkennt früh, dass sein neues Instrument doch nicht so ideal zu ihm passt, wie ursprünglich angenommen. Er wird das Instrument auf dem Gebrauchtmarkt wieder abgeben oder gegen ein neues in Zahlung geben. Der Anfänger aber kann sehr oft gar nicht erkennen, ob die Ursache möglicherweise am falsch gekauften Instrument zu suchen ist (und nicht etwa am mangelnden Talent), wenn sich die Lernerfolge nur (entmutigend) spärlich einstellen wollen.

Im folgenden werden nur die Akustikgitarren behandelt. Wer Informationen zu den E-Gitarren und -Bässen sucht, findet diese im vorangegangenen Workshop Nr. 12.

 


Eine Klarstellung vorneweg: Es ist grundsätzlich möglich, jede Art von Musik auf jeder der unterschiedlichen Gitarrenformen zu spielen. Man kann genauso auf einer E-Gitarre klassische Musik spielen wie Hardrock auf einer Konzertgitarre. Und es ist grundsätzlich möglich, auf jeder Gitarrenform (Konzert-, Westerngitarre oder E-Gitarre) das Hobby zu beginnen. Auch kann später selbstverständlich noch gewechselt werden bzw. ein weiterer Gitarrentyp hinzukommen. All diese Dingens aus Holz, mit 6 Drähten dran, wozu man doll laut singen kann, sind Gitarren mit derselben Stimmung, denselben Akkorden und denselben Tönen und Tonleitern!

Aber es ist wohl einsehbar, dass es keine unterschiedlichen Gitarren-Formen (mit wiederum unterschiedlichen Unterformen) geben würde, wenn nicht eine jede davon einer bestimmten Musikrichtung bzw. einem bestimmten Typus von Gitarristen näher stünde als eine der anderen Bauformen.

Geschätzt kann man etwa 95 % aller Akustikgitarren einem der zwei Hauptlager, Steelstrings bzw. Westerngitarren oder Klassische Gitarren bzw. Konzertgitarren recht eindeutig zuordnen. Die restlichen 5 % sind als Exoten getrost zu vernachlässigen. Da Spanien als das Mutterland der Konzertgitarre gilt, findet man gelegentlich für diesen Gitarrentyp auch den Namen Spanische Gitarre.

Am besten geeignet, die beiden Bauformen zu beschreiben, sind wohl die Namen Steelstring (= Akustikgitarre mit Stahlsaiten) und Klassische Gitarre (= Gitarre in der alten klassischen Bauweise). Auch der Laie kann beide Typen leicht an den unterschiedlichen Kopfplatten erkennen:

typische Konzertgitarren-Kopfplatte, durchbrochen mit sogenannten Fensteröffnungen

Die Kopfplatte der Konzertgitarre ist “durchbrochen”. In die beiden länglichen Ausschnitte ragen von links und rechts jeweils die drei Achsen der Mechaniken, um die die Saiten “vertikal” gewickelt werden. Die Flügel der Mechaniken, an denen der Gitarrist zum Stimmen dreht, stehen rückseitig ab, so dass mittels der offen freiliegenden Zahnräder die Drehbewegung am Flügel auf eine Drehbewegung der Achse übersetzt werden muß.

Die drei Saiten links sind die Bass-Saiten, die zwar mit Draht umwickelt sind (engl.: wound), im Innern aber einen Nylonkern besitzen! Die drei dünnen Saiten rechts sind reine Nylonsaiten.

Den Übergang von der Kopfplatte zum Griffbrett markiert der Sattel. Dies ist ein schmaler massiver Kunststoffblock in der Breite des Griffbretts, der als Auflage für die einzelnen 6 Saiten 6 Einkerbungen hat. Ab hier kann die Saite freischwingen. Die Gesamtlänge der freischwingenden also der klingenden Saite wird als Mensur bezeichnet.

Vergoldete Mechaniken mit Flügeln aus schimmerndem Acryl-Kunststoff

Die Kopfplatte der Steelstring ist nicht durchbrochen. Lediglich aus sechs Bohrlöchern ragen auf jeder Seite drei Achsen, um die die Saiten “horizontal” gewickelt werden. Allerdings stehen die Flügel der Mechaniken nun seitlich ab, so dass wiederum eine Übersetzung der Drehbewegung beim Stimmen erfolgen muß. Die Zahnräder hierzu befinden sich in geschlossenen mit Schmiermittel gefüllten kleinen Gehäusen auf der Rückseite der Kopfplatte. Diese sogenannten gekapselten Mechaniken sind den altertümlichen Mechaniken der Konzertgitarre weit überlegen. Sie lassen sich deutlich gleichmäßiger und leichter drehen.

Die ersten vier Saiten sind allesamt drahtumwickelt auf einem Stahlkern, die restlichen zwei dünnen Saiten sind einfache nicht umwickelte Stahlsaiten.

Unten im Bild ist so gerade noch der Sattel, auf dem die Saiten aufliegen, und hinter dem das Griffbrett mit dem 1. Bund beginnt, zu erkennen.

typische Westerngitarren-Kopfplatte mit verchromten Mechaniken

Die Mechaniken bestehen hier komplett aus Metall und sind verchromt.

Die Kopfplatte der Westerngitarren “ziert” normalerweise stets der Name oder zumindest das Logo des Herstellers. Dagegen sind die Kopfplatten der Konzertgitarren in der Regel nicht beschriftet. Nähere Informationen zu den Instrumenten findet man aber auf einem Aufkleber im Innern unterhalb der Saiten.

Hersteller-Etikett im Korpus-Inneren von Akustikgitarren

Ein Blick ins Schallloch der Gitarre sollte zumindest über die genaue Modellbezeichnung und das Herkunftsland der Gitarre Auskunft geben.

Eine Gitarre aus Markneukirchen (Vogtland)

Der Hersteller-Name vieler Instrumente ist ein reines Kunstprodukt und dient Gründen der besseren Verkaufbarkeit. Es ist leicht nachvollziehbar, dass ein klangvoller spanischer oder amerikanischer Name attraktiver ist als der Name eines chinesischen Fabrikbesitzers! Doch im Einsteigerbereich trifft man zu 99% auf Instrumente aus Fernost, denn in Europa oder in den USA hergestellte Gitarren sind üblicherweise für den Anfänger einfach viel zu teuer. Die “Hauptlieferanten” sind heute mit großem Abstand die chinesischen Produzenten. Seltener findet man auch im Einsteigerbereich noch Musikinstrumente aus Korea, deren Qualität sehr viel besser ist als die der China-Gitarren. Daneben spielen Gitarren aus Indonesien und Vietnam noch eine kleinere Rolle. Selbst die Einsteigermodelle bekannter Top-Marken sind entweder von der Marke “zugekaufte” chinesische Gitarren oder der Markenhersteller hat inzwischen selbst eine Produktionsstätte in China aufgebaut.

Es ist ein gutes Zeichen, wenn der Aufkleber der Gitarre eine Seriennummer zuordnet. Das weist daraufhin, dass der Gitarrenhersteller dieses Instrument für ausreichend kostbar hält, dass es diesen zusätzlichen Katalogisierungsaufwand verdient hat. Bei sehr teuren Gitarren findet man auch die Angabe des Baujahrs und manchmal sogar eine Unterschrift des verantwortlichen Gitarrenbauers.

Fehlt der Aufkleber des Herstellers, sollte man die Finger vom Instrument lassen. Möglicherweise soll hier mit falschen Modellangaben betrogen werden.

Konzertgitarren-Korpus

Diese Abbildung zeigt nun den Korpus, auch oft engl. “body” genannt, einer Klassischen Gitarre / Konzertgitarre.

Das Schallloch wird durch einen breiten Ring mit einem filigranen bunten Muster verziert.

In der Taille ist die Konzertgitarre schmaler als die typische Steelstring.

Ihre Form ist insgesamt runder (ähnlich der Form einer “8”).

Die Mensur endet dort, wo die Saiten auf dem Steg aufliegen. Dahinter sind die Saiten durch kleine Bohrlöcher gezogen und mit der Brücke verknotet.

Am Korpus der Konzertgitarre befindet sich im Normalfall kein Knopf, um einen Gitarrengurt zu befestigen. So ein Knopf muß nachträglich angebracht werden!

Fichte-Mahagoni ist eine bei Konzertgitarren sehr beliebte Holzkombination

Die Positionen der Bundstäbe im Griffbrett hat der Gitarrenbauer genau errechnet. Grundlage dazu ist eine Formel, in die die Länge der freischwingenden Saite also die Mensur eingesetzt wird. Der Raum zwischen zwei Bundstäben ist der Bund. Greift man eine bestimmte Saite in einem bestimmten Bund und schlägt die Saite an, so erklingt auch ein bestimmter vorhersagbarer Ton (Wenn die Gitarre richtig gestimmt ist).

In der Regel werden die Saiten direkt vor dem Schallloch angeschlagen. Durch diese Öffnung verlässt der Innenklang der Gitarre gebündelt das Instrument. Die Gitarrensaiten erzeugen aber auch aussen auf der Gitarre einen Klang, selbst der Hals hat einen eigenen Klang und eine frische Saite klingt auch wieder ganz anders als eine alte, abgespielte und verschmutzte. Der gute Klang einer Akustikgitarre ist darum ein Mischergebnis mehrerer unterschiedlicher Faktoren.

Die Hauptrolle, was den Wohlklang einer akustischen Gitarre angeht, spielt aber unbestritten die Gitarrendecke. Als Decke bezeichnet man die Vorderseite des Korpus, während die Rückseite des Instruments als sein Boden bezeichnet wird. Der Gitarrenrand wird schließlich die Zargen genannt. Wenn die fertige Gitarre nicht gerade satt mit deckender Farbe überlackiert wird, so könnte man theoretisch den Übergang (die Leimnaht) oben zwischen Decke und Zargen und unten zwischen Zargen und Boden erkennen. Um das zu verhindern wird mindestens die obere Naht mit einem Zierstreifen eingefasst. Man spricht dabei von der Randeinfassung bzw. engl. Binding.

Hier nun zum Vergleich der Korpus der am weitesten verbreiteten Westerngitarren-Form, die von Gitarren-Profis als Dreadnought bezeichnet wird.

Das Schallloch wird durch schmale einzelne Ringe verziert. Darunter befindet sich das Schlagbrett (engl. Pickguard). Im unteren Preisbereich ist das ein aufgeklebtes Stück Plastik, bei hochwertigen Gitarren ist das Pickguard wie hier aus Holz (z. B. Palisander). Das Schlagbrett sollte ursprünglich diese besonders beanspruchte Stelle der Gitarrendecke verstärken und vor Zerkratzung durch Fingernägel oder Plektren schützen. Es gibt jedoch viele Westerngitarren, die problemlos auch ohne Schlagbrett auskommen. Das Pickguard, sein Material und seine Form, ist heute also eher als eine Zierde anzusehen, als dass es einen echten Nutzen hätte.

In der Taille ist die Westerngitarre nur relativ wenig verengt. Und da ihr Korpus ohnehin schon um einiges größer als der Body der Konzertgitarre ist, ist auch der Resonanzraum des Instruments größer, was logischerweise dazu führt, dass die Steelstring auch deutlich lauter ist als die Klasische Gitarre.

Wie bei den Konzertgitarren ist auch bei Westerngitarren die Kombination Fichte mit Mahagoni sehr populär. Aber die Westerngitarren-Hersteller sind im Vergleich zu ihren Konzertgitarren-Kollegen experimentierfreudiger: Hier rechts eine Gitarre mit Zederndecke und hellem Ahornkorpus.

Westerngitarren-Korpus, Dreadnought-Form

Die harten Stahlsaiten der Westerngitarren können nicht einfach mit der Brücke verknotet werden, statt dessen befinden sich 6 Löcher in der Brücke. Hinter dem Steg werden die Saiten umgeknickt, jeweils in eines dieser Löcher eingefädelt und mit  kleinen Stiften aus Plastik oder Holz (Stegstecker) festgeklemmt.

Gitarre mit Cutaway und Tonabnehmer (Lautstärke- und Klangreglung)

Ein Detailunterschied zwischen Klassischen Gitarren und Westerngitarren sind die Markierungen der Bünde für mehr Übersicht auf dem Griffbrett, wenn der Gitarrist einen bestimmten Ton oder Akkord greifen will. Sie sind bei allen Westerngitarren (auch Bässen und E-Gitarren) in denselben abgezählten Bünden eingelassen. Konzertgitarren, die streng der traditionellen Bauweise folgen, haben dagegen überhaupt keine Griffbrett-Markierungen, weder am Griffbrett-Rand noch die Dot-Inlays im Griffbrett selbst.

Die links abgebildete Westerngitarre wartet noch mit zwei interessanten Besonderheiten auf: 1) hat diese Gitarre ein Tonabnehmersystem. Während der eigentliche Tonabnehmer (engl. Pickup) unsichtbar unter dem Steg eingebaut ist, kann man eine solche Elektro-Akustikgitarre an den Schiebereglern in der oberen Zarge schnell erkennen. 2) hat die Gitarre ein Cutaway. Damit ist gemeint, dass ein Teil des vorderen Gitarrenbodies unterhalb des Bereichs, in dem das Griffbrett über die Gitarrendecke verläuft, ausgeschnitten ist. Das ermöglicht dem Gitarristen hier noch ganz hohe Töne zu greifen, die ohne diesen “Schneidweg” nicht mehr erreichbar wären.

Der Korpus (Boden u. Zargen) dieser Gitarre besteht aus einem nußbaumähnlichen Holz aus Afrika, das Ovangkol heißt. Neben dem Deckenrand ist auch der Boden mit einer Randeinfassung (Boden-Binding) auffällig verziert.

Quasi-Halbzeit dieses Workshops

Kurz zur Erinnerung: Die Konzertgitarre wird mit Nylonsaiten bespannt. Ihre Form und technische Ausstattung geht zurück auf eine traditionelle klassische Bauweise. Dagegen ist die Westerngitarre der moderne Vertreter der Akustikgitarren. Sie ist größer, mit Stahlsaiten bespannt und technisch aufwendiger ausgestattet. Es sollte also keine Überraschung hervorrufen, dass die Westerngitarren teurer sind als die Klassischen Gitarren. Allerdings muß man beim Vergleich stets ein ähnliches Qualitätsniveau (Ausstattung und Verarbeitung) zu Grunde legen.

Nachdem nun die wichtigsten Merkmale und Unterschiede beider Gitarrenformen bekannt sind, rückt jetzt die Person des zukünftigen Gitarreneinsteigers in den Mittelpunkt der Betrachtung. Hier sind vor allem zwei Fragen von besonderer Bedeutung: A) Welche Rolle spielen Alter und Körpergröße des angehenden Gitarristen? B) Welche musikalischen Vorlieben (Musikstile) werden von welcher Gitarrenform besser unterstützt?

Welche Rolle spielen Alter und Körpergröße des angehenden Gitarristen?

Die Frage ist für Erwachsene, die das Gitarrenspiel erlernen wollen, schnell beantwortet: Normalerweise spielt hier die Körpergröße keine Rolle. Dennoch ist es möglich, dass man die Konzertgitarre aufgrund ihrer kompakten Größe als komfortabler empfindet während die Westerngitarre eher klobig und unhandlich erscheint. Dies fällt in erster Linie jedoch nur im direkten Vergleich auf und nach einigen Tagen der Eingewöhnung an die eine oder andere Form sollte dieses Gefühl verschwunden sein. In höheren Preisregionen werden auch spezielle Westerngitarrenmodelle als kleinere “Damenmodelle” angeboten. Kleine handliche Steelstrings zum Beispiel extra für Kinder gibt es mittlerweile auch. Allerdings sind die weicheren Nylonsaiten für Kinderhände angenehmer als die geringfügig schmerzhaft sich in die Fingerkuppen einschneidenden Stahlsaiten.

Kindern und Jugendlichen unter 14 Jahren sollte man dringend zur Konzertgitarre raten, die in unterschiedlichen Größen erhältlich ist. Man spricht von der 4/4-Größe, wenn man die normale Erwachsenengitarre meint, von der 3/4-Größe für die Altersstufe 10-13 Jahre und 1/2-Größe für die noch nicht Zehnjährigen. Solche Altersgrenzen sind aber selbstverständlich keine ehernen Gesetze, es gibt hier fließende Grenzen.

Ein Gitarrenlehrer, der klassische Musik unterrichtet, muß strenger darauf achten, dass seine Schüler ein passgenaues Instrument spielen, da in dieser Musik viele Griffe vorkommen, die ein weites Spreizen der Finger erfordern. Dagegen sind die Anforderungen an die Greifhand bei der Liedbegleitung mit einfachen Akkorden (Gitarrenchor) nicht so strapaziös, so dass hier das Thema richtige Gitarren- und Körpergröße etwas “schludriger” behandelt werden darf.

Dabei ist es erfreulich, dass die meisten Hersteller von Klassischen Gitarren, auch wenigstens eine Kindergitarre (1/2-Größe) und ein Schülermodell (3/4-Größe) im Programm haben, so dass die Auswahl (auch was die Preisklassen angeht) hier relativ groß ist.

Achtung: Die Gitarre ist immer dann noch zu groß fürs Kind, wenn der Gitarrenkorpus unter der Achsel den Schlagarm behindert. Hier sollte bei legerer Freizeitkleidung ein so großes Luftloch sein, dass man unter der Achsel durchschauen kann. Ist dies nicht der Fall, stellt das Kind die Gitarre intuitiv schräg statt senkrecht auf den Schoß. Das ermöglicht zwar, dass der Schlagarm nun ohne Zwicken und ermüdungsfrei den Gitarrenkorpus umfassen kann. Allerdings müsste so die Greifhand in einem mehr als 90-Grad-Winkel um den Gitarrenhals greifen, damit die Finger das Griffbrett erreichen können. (Hier gibt es noch mehr speziell zum Thema Kindergitarre.)

 

Welche musikalischen Vorlieben / Musikstile werden von welcher Gitarrenform besser unterstützt?

Es gibt wohl nur drei Musikrichtungen, die völlig zweifelsfrei der Steelstring bzw. der Konzertgitarre zugeordnet werden können. Erstens ist dies die klassische Musik, die sich so bekannten Komponisten wie Bach oder Beethoven widmet, sich aber viel auch mit eher nur bei entsprechenden Gitarrenfans bekannten spanischen Komponisten beschäftigt (die hauptsächlich nur für dieses Instrument komponiert haben). Dies ist das ureigene Feld der Konzertgitarre.

Zweitens lässt sich die gesamte amerikanische Folkmusik, Country & Western, sowie der davon historisch getrennt zu betrachtende Blues, der Steelstring zuordnen. Daher auch logischwerweise der (etwas die Sicht verengende) Name Westerngitarre.

Drittens gehört der Flamenco wiederum in den Bereich der Klassischen Gitarre, wenn für diese recht harte Spielweise oft aber auch weiter spezialisierte Modelle als entsprechende Flamenco-Gitarren angeboten werden.

Wer auf seiner zukünftigen Gitarre Weihnachtslieder, Volkslieder, Protestlieder, Schlager, Pop- und Rocksongs spielen will, hat die freie Auswahl. Wie weiter oben bereits erwähnt, ist die Westerngitarre etwas lauter als das Konzertmodell. Auch ist ihr metallischer Saitenklang durchdringender und intensiver, besonders wegen der stärkeren Betonung der Höhen. Der Sound der Konzertgitarre ist dagegen warm und weich, ein sehr organischer Klang, der für Pop & Rock auch sehr “funky” sein kann.

Man hört oder liest manchmal die Ansicht, dass Western- und Konzertgitarren unterschiedlich schwer zu bespielen sind. Namentlich die Konzertgitarre wäre einfacher zu greifen und zu zupfen, warum sie auch das mit Abstand gängigste Gitarren-Einsteigermodell sei. Tatsächlich brauchen die Fingerkuppen des Gitarrenanfängers etwas mehr Gewöhnung an die sehr stramm gespannten Saiten der Steelstring. Einige unangenehme Blasen müssen abklingen und die Fingerspitzen erst noch eine dickere und damit festere Haut bilden. Wenn aber die Westerngitarre in der Verbreitung der Konzertgitarre mit etwas Abstand hinterherläuft, so liegt dass doch vor allem am höheren Anschaffungspreis und nicht daran, dass etwa nur fortgeschrittene Gitarristen die Stahlsaiten in den Griff kriegen könnten.

Ein Blick auf die Instrumente der weltbesten und berühmtesten Akustik-Gitarristen zeigt, dass Steelstring und Konzertgitarre dort gleichermaßen vertreten sind, wobei der eine Künstler bei der einen und der andere Künstler bei der anderen Gitarrenform sein (hauptsächliches) Zuhause gefunden hat.

Hier abschließend noch einige Kauftipps:

Es wurde schon darauf hingewiesen, dass die Qualität der Gitarrendecke maßgeblich am Klang der Gitarre beteiligt ist. Um Kosten zu reduzieren und dabei trotzdem eine einwandfreie Optik der Gitarrendecke zu gewährleisten, bekommen im preisgünstigen Einsteigerbereich die Instrumente in der Regel Decken aus dreilagigem Sperrholz. Nur die äußere sichtbare Schicht ist einigermaßen tadellos. Das Schwingungsverhalten der Sperrholzdecke ist schlechter als das einer massiven Decke. Dieses Herstellungsverfahren ist aber trotzdem nicht grundsätzlich abzulehnen, denn wenn die Gitarre ordentlich gearbeitet ist, wird sie trotzdem ansprechend klingen. Aber ACHTUNG: Alle Gitarrendecken, die nicht ausdrücklich als massiv beschrieben werden, sind aus Sperrholz. Auch der Begriff “laminierte Decke” meint dasselbe. Der Begriff “Fichtendecke” meint Sperrholzdecke aus Fichte!

Wenn Boden und Zargen der Gitarre mit einer deckenden Schicht Farbe in irgendeinem Braunton lackiert sind, so kann man darunter nur ein preiswertes NoName-Holz vermuten. Der Begriff “Ausführung-Natur” wird hier oft verwendet, obwohl er eigentlich unzutreffend ist. Wird behauptet, dass so ein überlackierter Korpus aus Mahagoni besteht, ist besondere Vorsicht geboten. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Gitarrenbauer so schön gemaserte Hölzer wie Mahagoni und das ähnliche Nato “dichtlackieren”. Tatsächlich ist oft nur mahagonifarbig = dunkel rötlichbraun gemeint.

Schwarze hochglanzlackierte Instrumente sehen zwar sehr cool aus, “wer aber schön sein will, muß leider leiden”. Die Rückstände der Gitarristenhände in Form von Fett und Schweiß sind umso deutlicher zu erkennen, desto dunkler die Lackierung ausfällt. Häufiges Putzen ist bei den schwarzen Schönen also unbedingt angesagt.

Wer mit seiner Gitarre zum Unterricht in die Musikschule, zur Gitarrengruppe oder zu Freunden will, der braucht auf jeden Fall eine spezielle Instrumententasche (GigBag). Wer die Tasche gleich zusammen mit der Gitarre kauft, kann da ganz sicher einen Preisnachlass raushandeln.


Nachtrag (Herbst 2013):

Das Thema “Gitarre kaufen” ist so angesagt wie eh und jeh :-)

Als der obige Text entstand war das Netz ja eher noch so’n buckliger Radweg und nicht gerad’ ‘ne Datenautobahn ... bei den heute verfügbaren Informationsmöglichkeiten spielen Videos nun eine immer größere Rolle. Wie man gleich sehen wird, ist an mir kein Tarantino verloren gegangen, aber ich habe mal versucht, Infos zum Gitarrenkauf in Videotutorials aufzubereiten, einiges wird sich da wiederholen, vieles wohl auch neu sein. Viel Spaß damit!

  1. Die Mensur der der Gitarre (Teil 1)
  2. Stahl oder Nylonsaiten?
  3. Korpusformen und -größen
  4. Die Farbe der Gitarre (Teil 2)
  5. Das Holz der Decke
  6. Boden und Zargen
  7. Ist der Steg fest verleimt? (Teil 3)
  8. Stehen Bundstäbchen über?
  9. Bespielbarkeit/Probe spielen
  10. Welches Gitarrenzubehör?

 

 

 

 

 

 

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