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II-V-I Connection   -                Die geheimen Seilschaften der Guitarnellen.

Hier finden preisbewußte Musiker ihr amtliches Equipment

mailto: r.Kottke@geilundlaut.de


Die alten geilundlaut.de-Workshop-Hasen und -Häsinnen wissen natürlich, dass dieser 1. Textabsatz jedesmal einer mehr oder weniger unterhaltsamem (?) Werbebotschaft für den Frisia Toene Online-Instrumente-Laden gewidmet ist. Die ganz besonders schlauen Löffelträger überspringen diesen Teil daher ungelesen! Prinzipiell hab ich dagegen auch gar keinen Einwand. Is´ halt nur schade, dass diese Eiligen nun auch nichts von meinem Tipp erfahren, die so eingesparte Zeit dazu zu nutzen, mal ein bißchen auf www.frisia-toene.de stöbern zu gehen.

Zum Thema dieses Workshops: Wahrscheinlich sind schon einige von euch in Musiklehrbüchern oder Fachzeitschriften auf diese ominösen römischen Ziffern II-V-I gestoßen. Mir persönlich ging es einige Zeit so, dass ich nicht nur darauf sondern mich auch daran gestoßen habe, denn was da lang und breit ausgeführt wurde, war für mich das reinste Kantonesisch. Das liegt wohl daran, dass der Begriff der II-V-I-Verbindung einem doch stark akademisch durchtränkten Bereich der Musikszene entstammt.

Während Musiktheoretiker auf Basis der II-V-I-Verbindung eine große Fülle weiterer harmonischer Zusammenhänge aufzeigen, sind es vor allem Jazzmusiker, die mit ihren Stücken die  II-V-I zu einem fast schon omnipotenten Kompositionsmittel machen.

Kein Wunder also, dass es nicht ganz einfach ist, einen Einstieg in dieses wichtige Thema zu finden. Denn es könnte allen Beteiligten etwas eigentümlich vorkommen, dass die II-V-I- Verbindung eigentlich einfach nur eine Folge von 3 Akkorden ist, was ja auf eine gewisse banale Einfachheit schließen lässt (Da kann dann auch der Punk mitreden - Motto: Kein Lied dieser Welt sollte mehr als drei Akkorde haben!).

Zwei Gründe, warum ihr die II-V-I-Verbindung kennenlernen solltet:

 1. Grund (besonders für die Akustikgitarristen): Wenn ihr eigene Songs komponiert, dann solltet ihr unbedingt mal ausprobieren, einen Text samt dazugehöriger Melodey über die II-V-I zu kreieren. Eventuell nehmt ihr die II-V-I auch nur für den Refrain. Es lässt sich fabelhaft (jazzig) darüber singen. Inspiration garantiert !!

 2. Grund (besonders für die E-Gitarristen):  Wenn ihr es satt habt, immer wieder über dieselben öden 12-taktigen-Blues-Jamtracks zu improvisieren, dann solltet ihr euch unbedingt einmal einen schönes langsames II-V-I-Playback aufnehmen. Es macht einfach einen Riesenspaß, darüber die schon bekannten Solo-Licks auszuprobieren und natürlich neue dazu zu erfinden !!


Möglicherweise hat euch inzwischen der ganz richtige Verdacht ereilt, dass die römischen Ziffern II, V und I nur als Platzhalter für konkrete Akkorde dienen, die dann je nach Tonart an deren Stelle eingesetzt werden. Das einfachste Beispiel sind die Stufenakkorde auf Basis der C-Dur-Tonleiter:

I

II

III

IV

V

VI

VII

VIII

C-Dur

d-moll

e-moll

F-Dur

G-Dur

a-moll

h-verm.

C-Dur

Die gesuchte Akkordverbindung lässt sich nun völlig easy ablesen:

I

II

III

IV

V

VI

VII

VIII

C-Dur

d-moll

   

G-Dur

     

Aber der Begriff II-V-I sagt ja nicht nur, welche drei Akkorde, sondern auch in welcher Reihenfolge diese Akkorde gespielt werden sollen:

--->>> Wem jetzt nicht klar ist, woher ich diese Akkorde “gezaubert” habe und warum der D-Akkord “moll” ist, die beiden anderen Akkorde aber Dur-Akkorde sind, der sollte sich  im Anschluß an diesen Workshop No. 11 erstmal den Workshop No. 6 “Theorie?! - Einstieg für Aufsteiger” vornehmen.

II

V

I

d-moll

G-Dur

C-Dur

Weil auf Basis einer jeden Dur-Tonart die Stufe II immer einen Moll-Akkord hervorbringt und die Stufen V und I immer Dur-Akkorde, darum reicht es im Prinzip, wenn man sich mittels einer visuellen Eselsbrücke die Lage der Grundtöne der drei Akkorde auf dem Gitarrengriffbrett merkt.

ii-v-i-schema

Durch einfaches Verschieben der fiktiven rot eingezeichneten Dreiecke kann man leicht die Akkorde einer jeden II-V-I-Verbindung herausfinden. Vorausgesetzt alle Töne auf E- und A-Saite sind euch “namentlich” bekannt (Das sollten sie inzwischen eigentlich sein !!!).

Wenn ihr also herausfinden wollt, welche Akkorde die II-V-I-Verbindung in der Tonart D-Dur bilden, dann verschiebt eines dieser Dreiecke (je nachdem welches euch von Fall zu Fall einfacher erscheint) um 2 Bünde nach oben: Nun könnt ihr ablesen, dass der Stufenakkord II = e-moll, der Stufenakkord V = A-Dur und der Stufenakkord I = D-Dur sind.

Da der Grundton des I. Stufenakkords ja der Namensgeber der Tonleiter ist, braucht ihr, um diesen herauszufinden, euch erst gar nicht groß anstrengen, denn logischerweise ist die I in der Tonart F-Dur = F-Dur, in der Tonart G-Dur = G-Dur usw. usf.

Dies entspricht dem, was ihr in der Praxis können solltet: Bittet euch z. B. ein Mitmusiker “Irgendwas-in-A-Dur” zu spielen, könntet ihr die zu A-Dur gehörige II-V-I-Verbindung spielen. Das wären also ? -->> h-moll - E-Dur - A-Dur. Niemand wird euch jemals bitten “eine-II-V-I-ausgehend-von-h-moll” zu spielen” !


Bevor dieser Workshop endlich zum schon lang verdienten praktischen Beispiel kommt, gibt´s hier noch ein paar Fachbegriffe, um damit diesen ersten Einstieg in das Thema II-V-I Connection abzurunden (und damit ihr bei der nächsten Fachsimpelei mal locker vom Leder ziehen könnt):

Jedem, der zum ersten Mal (bewußt) eine II-V-I-Verbindung spielt, wird sehr bald auffallen, dass diese Akkordfolge einen starken finalen Charakter hat. Gemeint ist damit, dass von der Stufe II hin zur Stufe V (der Dominante, bzw. dem Dominantakkord) eine große harmonische Spannung aufgebaut wird, die dann mit dem Schritt zurück zur Tonika (dem Akkord der Grundtonart = Stufe I) voll “geschmeidig” aufgelöst wird.

Tatsächlich kann man die Stufenakkorde II und V ellenlang abwechselnd spielen und dann mit dem Akkord I das Ganze zu einem harmonisch perfekten (Lied)-Schluß bringen. Eine solche Akkordfolge, die diesen beschriebenen “Schlußcharakter” aufweist, nennt man eine Kadenz.

Es gibt zum II-V-I-Schluß eine naheliegende fast noch besser klingende Alternative: Probiert einmal einen Wechsel zwischen d-moll- und G-Dur-Akkord und beendet diesen dann mit dem C-Dur (II-V-I), dannach spielt den Akkordwechsel nochmal und beendet die Chose diesmal mit einem a-moll-Akkord (II-V-VI). Statt zurück in die Grundtonart (Stufe I = Tonika) wechselt ihr bei diesem Schluß zur parallelen Molltonart (Stufe VI = parallele Molltonika).

Wie bereits irgendwo oben erwähnt, findet man die II-V-I-Verbindung insbesondere in der Jazzmusik. Natürlich belässt es ein Jazzgitarrist aber nicht bei Dreiklang-Akkorden. Um eine größere tonale Dichte zu erreichen, verwendet der “gemeine” Jazzer Vierklang-Akkorde und dazu noch weitere als Tension Notes bezeichnete Töne, die dem Klangbild des Akkordes und insbesondere dem Sound der Akkordwechsel größere Komplexität verleihen.

Praktischerweise bleibt es auch hier gesetzmäßig, dass die Stufe II immer einen moll7-Akkord, die Stufe V immer einen Dur7- und die Stufe I immer einen Dur major7-Akkord hervorbringt.

II moll7

V Dur7

I Dur maj7

d-moll7

G-Dur7

C-Dur maj7


Endlich ! Die Gitarre auf euren Knien ist schon eingeschlafen, aber jetzt kommt er doch noch: Der praktische Teil . . .

Zunächst die Akkorde:

ws11-h-moll7

Dieser Akkord ist hier für die Konzertgitarre notiert. Aufgrund der schmaleren Griffbretter bei Western- und E-Gitarren kann man den Akkord alternativ aber auch so greifen, dass man die tiefe E-Saite mit dem Daumen (um den oberen Griffbrettrand herum) greift - DAS GEHT WIRKLICH ! (Die anderen Saiten in dem Fall: Z, M, R.)

ws11-h-moll7-9
ws11-e-dur7
ws11-e-dur7-b9
ws11-a-dur-maj7

Dies ist im späteren Beispiel der schwierigste Akkordwechsel, denn ihr müßt komplett umgreifen: Der Zeigefinger kommt als Barré in den 7. Bund und mit dem Ringfinger greift ihr auf der hohen e-Saite die Tension Note, die im Akkordnamen als 9 (None) angegeben ist. Der Grundton, das H, fehlt (soll der Bass halt das H spielen !).

Dieser Akkord sieht nur auf `m 1. Blick schwierig aus, denn im Prinzip handelt es sich nur um den ganz normalen C-Dur-Griff, der hier halt in den 7. Bund verschoben ist. Der kleine Finger greift dazu noch die 7 (Septime).

Das relativ unwichtige Quint-Intervall wird eingespart.

Der Akkordwechsel von E7 zu E7/b9 ist einfach, wenn man sich wirklich (auch innerlich) klar gemacht hat, dass man hier nur Zeige- und Mittelfinger über Kreuz austauschen muß, während Ringfinger und kleiner Finger liegen bleiben und so die nötige Stabilität für diese minimale Bewegung gewährleisten.

Zu guter letzt: Der Majonäse-7-Akkord. Im Prinzip der verschobene einfache a-moll-Griff. Weil ihr aber zusätzlich einen Finger auf der tiefen E-Saite braucht, müßte ihr den a-moll-Teil eben mit M, R und kF greifen.

ACHTET DARAUF: HIER UND BEI ALLEN ANDEREN AKKORDEN, DASS DIE ANGEKREUZTEN SAITEN NICHT MITKLINGEN !


Die einfache Version:

II-V-I-Verbindung / Tonart A-Dur.

Mit dem Daumen zupft ihr den Basston und mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger zupft ihr zusammen auf D- bis H-Saite den Rest des Akkords.

ws11-liedbeispiel1
ws11-liedbeispiel1b

Hörbeispiel 1   Hörbeispiel


Und die andere Version:

Versucht die Griffe auf D- bis hohe e-Saite nach jedem Anschlag sofort wieder locker zu lassen (ohne dabei die Finger ganz wegzunehmen !). Der Akkord soll gleich wieder verstummen. Dadurch bekommt das Ganze einen Zigeuner-/ Straßenmusik-Sound.

ws11-liedbeispiel2
ws11-liedbeispiel2b

Hörbeispiel 2   Hörbeispiel

Fangt natürlich ganz langsam an, erst wenn die Akkordwechsel nicht mehr holpern, könnt ihr das Tempo erhöhen.

Wer über das Beispiel solieren will, sollte zwischen der smoothen A-Dur-Tonleiter und der heftigeren F#-moll-Pentatonik wechseln, um so mehr Ausdruckskraft zu erzeugen.

Denkt euch eigene Rhythmen mit diesen Akkorden aus. Um es etwas fetziger anzugehen, kann man die II-V-I-Verbindung auch prima in nur 2 Takten spielen (1/2 + 1/2 + 1 Takt).

Wer sich tatsächlich dafür interessiert, seine Soundmöglichkeiten / seinen Stil in Richtung Jazz zu erweitern, sollte sich umfangreiche Akkordtabellen besorgen. Jeden hier präsentierten Akkord kann man noch auf viele viele andere Arten greifen. Und wenn man sich richtig “reinhört” wird man die Klangunterschiede erkennen und diese nach Gefühl im eigenen Spiel auch gezielt nutzen.

Falls ihr Probleme mit den ja nicht ganz so einfachen Akkordgriffen habt, so erinnert euch doch mal, wie das war, als ihr eure allerersten Akkorde überhaupt lernen wolltet. Wer war da nicht manchmal schier verzweifelt ? - Is´ aber alles nur eine Frage von Geduld und Ausdauer. Cya!


Fragen, Anregungen und Kritik bitte an die oben angegebene eMail-Adresse.

(c) r.Kottke 2001 www.geilundlaut.de

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