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Bitte anschnallen - es folgt das Solo (Part III)

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mailto: r.Kottke@geilundlaut.de


So - kräftig aufgeatmet, es ist geschafft: Mit diesem Part III runde ich die Einführung ins improvisierte Solospiel ab. Das bedeutet auch, dass alle, die Teil I und II bereits beackert haben, sich am Ende dieses Workshops mit Fug und Recht als fortgeschrittene Gitarreros bezeichnen dürfen. Davor stehen allerdings noch einiges Haarausraufen, so manche Schweißtropfen und verbogene bis glühende Finger. Aber - don´t panic !

Die Bending-Technik (das Saitenziehen) ist die wohl wichtigste Solo-Spieltechnik in der Rockmusik - leider auch nicht ganz einfach, erfordert diese Technik doch einige Fingerkraft und nicht zuletzt ein geübtes Gehör. Die Technik des Tapping ist dagegen mehr das luxuriöse Sahnhäubchen im Gitarrensolo, besonders im Metal überaus beliebt, da diese Technik dem Gitarristen die Möglichkeit bietet, mit megaschnell gespielten Tonfolgen zu beeindrucken.

!!! Im Gegensatz zu den ersten beiden Kapiteln dieses Solo-Workshops ist der folgende Stoff vornehmlich nur für das E-Gitarrensolo geeignet.


B E N D I N G

Bending bzw. Saitenziehen ist im Prinzip eine technische Weiterentwicklung des Vibratos (s. Part II). Beim klassichen Rock-Vibrato produziert ihr ja Tonhöhenschwankungen, indem man die gegriffene Saite am Bundstäbchen entlang abwechselnd ein wenig nach oben schiebt, zurück zum gegriffenen Ruhepunkt kommt, ein wenig nach unten zieht, wieder zum Ruhepunkt usw.

Der Unterschied zum Vibrato ist der, dass beim Bending die Tonhöhe der gegriffenen Saite gezielt erhöht wird. Das bedeutet, der gegriffene Ton wird durch das Ziehen (bzw. Schieben) der Saite um ein harmonisches Intervall erhöht. Der Zielton ist also nicht beliebig sondern eine vorgeschriebene Note.

Gängig sind Tonerhöhungen von 1, 2, 3 und selten sogar 4 Halbtönen. Die gezogene Saite soll also den Ton erklingen lassen, den ihr auch durch neu greifen (entsprechend 1 - 4 Bünde höher) hättet spielen können.

Als Faustregel gilt, dass die drei umwickelten Bass-Saiten nach unten zum Boden hin gezogen werden - die drei hohen Saiten dagegen eurer Draufsicht entgegen nach oben geschoben werden.


bending

Auf der Abbildung kann man gut erkennen, wie die G-Saite im 14. Bund gezogen wird (okay, eigentlich wird sie nach oben geschoben, aber der Einfachheit halber spricht man immer nur vom Saitenziehen)

Der Ringfinger, der die Saite im 14. Bund greift, wird dabei kräftemäßig beim Bending durch den Mittelfinger (im 13. B.) und den Zeigefinger (im 12. B.) unterstützt. Alle drei Finger ziehen gemeinsam die Saite auf die höhere Spannung mit dem angezielten Ton.

Diese Unterstützung mit bis zu zwei weiteren Fingern ist gerade für Anfänger sehr hilfreich, da es fast immer an der fehlenden Fingerkraft (es kann ja auch mit dem kleinen Finger gezogen werden) scheitert, wenn der gewünschte Ton nicht 100 % getroffen wird.


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Dieses Lick ist bereits aus dem Solo-Workshop Part II bekannt. Auf Zählzeit “3” rutscht (slidet) ihr in den 9. Bund der G-Saite. Es soll euch als Vorübung dienen.

Zusätzlich hilft es euch, die richtige Tonhöhe im Ohr zu behalten, auf die ihr die Saite beim Bending ziehen müßt.

Im folgenden ersten Bending-Lick sollt ihr nun den Ton auf der G-Saite im 9. Bund dadurch erzielen, dass ihr mit dem Ringfinger im 7. Bund ( + Unterstützung durch Zeige- und Mittelfinger) die Saite nach oben zieht und dadurch die Saitenspannung soweit erhöht, dass ihr genau den angepeilten Zielton trefft.

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Lick 1)

Der Zielton wird in der Tabulatur in Klammern notiert, denn tatsächlich wird er ja nicht gegriffen !

Die gezogene Saite haltet ihr bis über das Ende des 1. Taktes. Im 2. Takt schlagt ihr die immer noch gezogene Saite auf “1” an und nehmt sie dann in einer unverkrampften Bewegung zurück zu ihrem Ausgangspunkt, so dass auf “1u” der normale Ton der G-Saite im 7. Bund erklingt (Reverse Bending). Im Prinzip ist der 2. Takt also die rückwärtsgespielte Tonfolge aus dem 1. Takt, wobei die Rhythmik aber gleich geblieben ist.

Zur Kontrolle, ob ihr den Zielton sauber trefft, spielt ihr immer mal wieder das Slide-Lick aus der Vorübung. Versucht euch den Ton im 9. Bund zu merken und spielt das eigentliche Bending auch mal ganz langsam, zieht dabei die Saite millimeterweise nach oben bis ihr das Gefühl habt: Dat isser, der Zielton!


Hier in Lick 2 trefft ihr auf eine ganz typische Spielweise beim Bending. Und zwar wird der Ausgangston angeschlagen aber im selben Augenblick auch gezogen.

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Hörbeispiel

Das bedeutet, dass der Ton der gegriffen wird, gar nicht mehr zu Gehör kommt ! Denn der typische Sound der Bending-Technik besteht nur aus der gerademal sekundenbruchteillangen Aufwärtsbewegung (Abwärtsbewegung) und dem anschließenden Ausklang des Zieltons.

Das führt nun notwendigerweise dazu, dass in der Tabulatur für nur eine Zählzeit (im Lick oben jeweils auf “2”) zwei Angaben stehen: Der Bund, der gegriffen wird aber nicht klingen soll (Ausgangston), sowie in Klammern der Bund mit dem Zielton, der zwar nicht gegriffen wird aber durchs Bending hörbar wird.

Wenn ihr den Zielton sicher trefft, dann dämpft die gezogene Saite sofort nach dem Bending ab und spielt auf Zählzeit “2u” eine Achtelpause, bevor ihr jeweils auf “3” die G-Saite im 7. bzw. 5. Bund neu greift.


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Lick Nr. 3

ist ein nettes Aktivprogramm für den linken kleinen Finger. Erst wird gezogen dann noch gehämmert.

Ordnet eure Finger von Zeigefinger bis Kleinem Finger konsequent den Bünden 5 bis 8 zu. Der Zeigefinger im 5. Bund gibt der Ziehbewegung den nötigen Halt auf dem Griffbrett. Spielt den gezogenen Ton und die zwei auf der e-Saite folgenden Töne betont abgehackt (staccato). Dazu im klanglichen Kontrast stehen ja dann die beiden Hammer-ons (Legato-Technik).

Hier das Hörbeispiel: Hörbeispiel


!!! Dieses Lick Nr. 4 ent- stammt nicht der a-moll- Pentatonik. Es ist auch mehr als eine sehr coole und gar nicht so eínfache Hörbeispiel Übung zu verstehen.

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Dabei greift ihr mit dem Zeigefinger die H-Saite im 5. Bund und gleichzeitig mit dem Ringfinger die G-Saite jeweils 2 Bünde höher, zunächst also im 7. Bund. Ihr schlagt beide Saiten mit dem Plektrum an (oder zupft beide mit Daumen + Zeigefinger der rechten Hand) und zieht darauf unmittelbar mit dem Ringfinger die G-Saite auf die Tonhöhe des 9. Bundes. Die H-Saite soll dabei weiterklingen.

Dann setzt ihr den Griff zwei Bünde höher an und wiederholt die Bewegung. Dann nochmal 2 Bünde höher und beim letzten Mal noch ein Bund höher (10. und 12. Bund).

Der Witz an dieser Übung ist, dass ihr die G-Saite auf die selbe Tonhöhe ziehen sollt, in der die H-Saite jeweils ohnehin schon klingt. Wenn euer Saitenziehen also eher “schlampig” angelegt ist, werdet ihr die Ungenauigkeiten beim Nicht-Treffen des Zieltons hier ziemlich krass hören.

Die Gemeinheit an dieser Übung ist, dass ihr feststellen werdet, dass das Ausmaß, wie weit die Saite nach oben gezogen werden muß, z. B. im 12. Bund ein anderes ist als im 5. Bund. (Eigentlich aber auch ganz logisch, denn die Breite der Bünde nimmt nach oben hin ja auch immer weiter ab.)


T A P P I N G

Die Tapping-Technik ist eigentlich keine völlig neue Technik sondern eine Weiterentwicklung und Kombination von Hammer-on und Pull-off. Ihr spielt einen Ton mittels der ja schon bekannten Hammer-on-Technik und zieht ihn gleich darauf ab (pull-off): fertig ist das Tapping !

Fast fertig jedenfalls ;-)) Es gibt doch noch etwas Neues, denn die Hammer-ons werden zumindest teilweise jetzt von der rechten Hand gespielt ! Wat ? Ihr habt richtig gelesen, damit ist das Tapping eine Technik, die man beiden Händen zuordnen muß - es ist sowohl eine Solo-Technik als auch eine Anschlagtechnik.

Als erstes muß (sofern vorhanden) das Plektrum ent- oder besser versorgt werden, denn in einem umfangreicheren Solo wollt ihr nach dem Tapping vielleicht noch ein paar Licks spielen, also sollte das Plektrum in Reichweite bleiben: Bei der coolen Variante klebt ihr das Pick mit Spucke auf eure Stirn, bei der akademischen Variante steckt ihr euch das Plek zwischen die Lippen (wie auch immer, einige Ersatzpicks sollten in einer eurer Gesäßhosentaschen sein!).


Hier Lick No. 5 als erstes und noch sehr einfaches Beispiel für die Tapping-Technik.

Hörbeispiel
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Wichtig ist es, bereits vor dem eigentlichen Tappen der rechten Hand die Finger der Greifhand in den angegebenen Bünden zu positionieren (hier: 5. B./Zf. und 8 .B./kF.).

Auf “1” tappt ihr mit dem Zeigefinger der rechten Hand in den 12. Bund und zieht den Finger auch gleich wieder ab, so dass auf “1u.” der kleine Finger im 8. Bund klingt. Auf “2” tappt ihr wieder mit der rechten Hand, zieht ab, es klingt der Zeigefinger im 5. Bund, usw.


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Hörbeispiel

Lick No. 6 ist ein ganz typisches Triolen-Lick, dh. es werden 3 Töne in einer Zählzeit gespielt: Der 1. Ton wird jeweils mit der rechten Hand getappt, der 2. Ton erklingt durch das Abziehen des Tappingfingers, der 3. Ton entsteht durch Abziehen des kleinen Fingers der linken Hand (ohne neuen Anschlag !). Der Zeigefinger der linken Hand bleibt während des gesamten Licks immer unverändert im 5. Bund der e-Saite.


Das Lick 7 wird wieder ganz gerade gezählt, ich habe es in Achtelnoten notiert, ihr könnt es später aber auch doppelt so schnell in Sechzehntelnoten spielen.

Hörbeispiel
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Die linke Greifhand hat es immer mit der gleichen Figur zu tun: Der Zeigefinger parkt im 5. Bund, ihr hammert den kleinen Finger in den 8. Bund und zieht ihn wieder ab, damit erneut das “A” im 5. Bund zu hören ist. Eingeleitet wird diese Figur aber vorweg mit dem wechselnden Ton, den ihr mit der rechten Hand tappt (15. B. / 12. B. / 10. B. und wieder 12. Bund).


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Zum Schluß nochmal das Triolen-Lick (No. 6./s.o.): Allerdings jetzt mit einem mehrfachen Wechsel der zu spielenden Saiten.

Hörbeispiel

Das Lick sieht auf den ersten Blick kompliziert aus, ist aber im Prinzip nur ein Abwärtslauf der A-moll-Pentatonik, vergleicht dazu nochmal die Darstellung der a-moll-Pentatonik fürs ganze Griffbrett in Teil II von “Bitte anschnallen - ...” (Workshop 09).

Die Schwierigkeit beim Wechsel auf eine andere Saite innerhalb eines Tapping-Licks ist die, dass ihr, wie schon erwähnt, mit den Fingern der linken Hand eher da sein müßt als mit dem Tappingfinger. Wenn das nicht gelingen will, dann führt kein Weg daran vorbei, dass ihr das Lick langsamer übt. Konzentriert euch beim Greifen der linken Hand nicht auf den kleinen Finger, auch wenn der häufig zuerst benötigt würde, sondern konzentriert euch, den Zeigefinger möglichst schnell an seine Position zu bringen, damit er der Greifhand Stabilität geben kann.

Um eigene Tapping-Licks zu entwickeln, müßt ihr eine Tonleiter (z. B. die a-moll-Pentatonik) von einer bestimmten Griffbrettlage/Skala lösen und sie euch stattdessen entlängs einer bestimmten Saite bewußt machen.

Da die Finger der rechten Hand bei der Tappingbewegung erstmal äußerst kraftlos wirken, solltet ihr dieselbe Geduld haben, die ihr mit euren früher mal schlappen Fingern der Greifhand hattet. Nehmt zum Tappen nicht nur den Zeigefinger, sondern auch Mittel-, Ring- und sogar Kleinen Finger.

Tappt mindestens genausoviel auf den tiefen Saiten herum wie auf den hohen Saiten.

Euer Tapping wird hundertmal professioneller klingen, wennn ihr das Timing sauber durchzieht und nicht herumeiert (Dies nochmal als Pläydoyer für das langsame beherrschte Üben).


Fragen, Anregungen und Kritik bitte an die oben angegebene eMail-Adresse.

(c) r.Kottke 2000 www.geilundlaut.de

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