Gitarrenworkshop Einstieg in die Solo-/Lead-Gitarre-Technik

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Kann ich mit der Dorischen in unserer Band was anfangen, obwohl ich erst letzte Woche mein Techtel-Mechtel mit der Lydischen beendet habe? Im Prinzip ja, aber erwarten sie nicht, dass der verminderte Quint im lokrischen Mehrklang es gelassen mit ansieht, wie sie gemeinsam Händchen halten ... ja ja, so lustig ist die Musikteheorie:

(Musik)Theorie?! - Einstieg für (Gitarren)Aufsteiger

Okay, hier eure letzte Chance zu kneifen: Schaut euch besser in meinem Gitarrensaiten Shop um, wenn ihr nicht wissen wollt, warum bestimmte Akkorde zusammen passen und andere nicht. Warum es zu diesen Akkorden jene Tonleiter sein muß, wenn ihr ein Solo spielen wollt. Und warum ausserdem auch noch diese Tonleiter passt?

Dieser Workshop soll interessierten Gitarrenaufsteigern erste Erkenntnisse in musiktheoretischen Grundlagen vermitteln. Dieses Wissen wird dem fortgeschrittenen Musiker beim Improvisieren aber noch mehr beim Schreiben eigener Stücke sehr hilfreich sein. Dieser Background ist für Leute, deren Instrument über eine Klaviatur gespielt wird (Piano, Orgel, Keyboard, Akkordeon) sicherlich einfacher zu erlernen, denn im Unterschied zu diesen Instrumenten ist die Gitarre doch sehr unübersichtlich, wenn es gilt Theorie und Praxis zu verbinden. Aber deswegen darauf zu “verzichten”, sich mit Intervallen, Akkordaufbau, Arpeggios, Tonleitern und Harmonielehre zu beschäftigen, ist garantiert keine zukunftsweisende Richtungsentscheidung!

Hier kommt sie nun, euer Einstieg in den Aufstieg: Die C-Dur-Tonleiter!

C-Dur Tonleiter

 

In der C-Dur-Tonleiter gibt es keine Vorzeichen (siehe Notenschrift), also keine “#“s zum Erhöhen bzw. “b”s zum Erniedrigen einzelner Tönen. Darum also auch keine Noten, die “Fis”, “Gis” oder “Es” oder “As” heißen könnten.

Warum ist das so?

Die in unserer abendländischen Musikkultur etablierten Tonleitern = Kirchentonarten (Blues-Tonleiter oder Pentatonik zählen nicht dazu und bleiben zunächst aussen vor) sind definiert als Tonleitern mit 8 Tönen, wobei der erste und der letzte Ton identisch sind. Daraus ergeben sich 7 Abstände (Intervalle) zwischen diesen Tönen. 5-mal soll der Abstand einen Ganzton betragen und 2-mal soll der Abstand nur einen Halbton betragen. Es reicht also, sich auf die Positionen der beiden Halbtonschritte zu konzentrieren. Und diese Halbtonschritte liegen bei der Dur-Tonleiter immer erstens: zwischen 3. und 4. Ton und immer zweitens: zwischen 7. und 8. Ton.

Hier wird die schon erwähnte Übersichtlichkeit der Klaviatur deutlich, denn das Fehlen der schwarzen Tasten zwischen den Tönen “E” und “F” (3. und 4.) und den Tönen “H” und “C” (7. und 8.) weist ja ganz logisch darauf hin, dass hier die beiden weißen Tasten jeweils nur einen Halbtonschritt auseinanderliegen.

Die Halbtonschritte der C-Dur-Tonleiter liegen also schon ganz “natürlich” genau da, wo sie per Definition auch hingehören!

Auf der E-Saite der Gitarre liegen diese Halbtonschritte zwischen leerer Saite und 1. Bund (wiederholt zwischen 12. Bund und 13. Bund) sowie zwischen dem 7. und dem 8. Bund.

Da jeder der 7 unterschiedlichen Töne als Ausgangspunkt zum Aufbau einer Tonleiter verwendet werden kann, gibt es dem entsprechend 7 Kirchentonleitern. Sie alle unterscheiden sich nur in der Lage der Halbtonschritte - nicht im eingesetzten Tonmaterial! Da kann sich jeder vorstellen, dass diese Tonleitern nicht so wahnsinnig unerschiedlich klingen!

Die Tonleiter, die sich am spürbarsten von der C-Dur-Tonleiter unterscheiden lässt, ist die Tonleiter, die mit dem 6. Ton der C-Dur-Tonleiter beginnt. Das ist der Ton “A”. Und diese Tonleiter ist die a-moll-Tonleiter. Sie wird auch als paralle Moll-Tonart bezeichnet.

a-moll Tonleiter

Wenn man sich wieder die Piano-Tastatur anschaut, kann man schnell abzählen, dass bei der a-moll-Tonleiter die beiden Halbtonschritte erstens: zwischen 2. und 3. Ton und zweitens: zwischen dem 5. und dem 6. Ton liegen. Und genau das ist die Definition jeder natürlichen Moll-Tonart.

Übrigens kann man hier auch gut erkennen, warum es eigentlich keinen Ton “H” geben sollte, denn die Notenfolge der a-moll-Tonleiter wäre ja genau alphabetisch bezeichnet, wenn das “H” so wie fast überall auf der Welt “B” heißen würde. (Darum Achtung bei engl. Songbooks: Wenn dort “B” steht ist unser deutsches “H” gemeint. Unser deutsches “B” (das ist die Ausnahme-Bezeichnung für den Ton zwischen “A” und “H”, der eigentlich “Hb” bzw. “Hes” heißen müßte), wird dagegen in den engl. Büchern als “Bb” bzw. “B-flat” notiert.)

Die restlichen 5 Kirchentonleitern sind in der Rock-Pop-Musik kaum gebräuchlich. Allerdings gehören diese Tonleitern, die so geniale Namen haben wie “dorisch”, “phrygisch”, “lydisch”, “mixolydisch” und “lokrisch”, zum Grundhandwerkszeug im Jazz. Für Dur und moll gibt es klar auch solch protzige Fachbezeichnungen: Schlagt eurer Band doch mal vor einen Blues in “a-aeolisch” (= moll) zu spielen - oder eine flotte Country-Nummer in “C-ionisch” (= dur).

Zurück zur C-Dur-Tonleiter:

Anstatt neue Tonleitern könnte man natürlich aus den 7 Grundtönen der C-Dur-Tonleiter auch Akkorde produzieren.

Da zwei Töne zusammen als Intervall bezeichnet werden und 7 unterschiedliche Töne bereits eine ganze Tonleiter darstellen, können diese Akkorde folglich aus 3 bis 6 verschiedenen Tönen bestehen. In diesem Gitarrenworkshop soll´s aber mit den Dreiklängen (Akkord, der aus 3 Tönen besteht) genug sein.

Weil auch beim “Aufschichten” der Dreiklänge keine Vorzeichen (# / b) eingefügt werden sollen, sind die Akkorde, die entstehen schon im voraus per Definition festgelegt ! Die Definition lautet:

Der Dreiklang besteht aus 3 Tönen, also aus 2 Intervallen (Tonabständen). Diese Intervalle sind Terzen. Ist das erste Intervall eine “Große Terz” und das zweite Intervall eine “Kleine Terz”, dann entsteht ein Dur-Akkord. Ist das erste Intervall eine “Kleine Terz” und das zweite Interval eine “Große Terz”, dann ist ein moll-Akkord entstanden.

Kleine Terz --> Intervall mit 3 Halbtonschritten/Bünden vom Ausgangston zum Zielton

Große Terz --> Intervall mit 4 Halbtonschritten/Bünden vom Ausgangs- zum Zielton

Die Kleine Terz addiert zur Großen Terz ergibt die Quinte

Die Große Terz addiert zur Kleinen Terz ergibt natürlich auch die Quinte.

Quinte --> Intervall mit 7 Halbtonschritten / Bünden vom Ausgangs- zum Zielton.

Ich nehme also einen beliebigen Ton der C-Dur-Tonleiter. Dieser soll der Grundton sein, der dem Akkord später auch seinen Namen geben wird: Wenn ich die folgenden Töne durchzähle (den Grundton mitgezählt), dann kommen die Töne 3 und 5 als Terz und Quinte noch hinzu (rechts in der Grafik, links in der Grafik abgezählt per Halbtonschritte).

Akkordaufbau C-Dur
Akkordaufbau d-moll

C-Dur

d-moll

Damit du dieses Schema des Akkordaufbaus besser nachvollziehen kannst, solltest du einige weitere Dreiklänge selber mit Papier und Bleistift aufschichten. Dazu hier eine einfache Druckvorlage.

Wenn du dich bis zum 7. Ton, dem Ton “H” als Grundton des Akkords durchgearbeitet hast, wirst du feststellen, dass dieser Dreiklang sich strikt weigert, alle ausgemachten Spielregeln einzuhalten: Die erste Terz von “H” zu “D” ist eine kleine Terz --> also müßte die zweite eine große Terz sein und der Akkord ein Moll-Akkord. Aber mit der großen Terz landet man beim Ton “F#”. Und Kreuze bzw. “b”s sind ja nicht erlaubt! Also Ausnahme: Um diesen Dreiklang trotzdem noch wenigstens einigermaßen regelkonform aufzuschichten, bleibt nur die Lösung als zweite Terz eine ebenfalls kleine Terz (3 Halbtöne) in Kauf zu nehmen. Daraus ergibt sich, dass der Gesamt-Abstand von der ersten bis zur dritten Note aus nur noch 6 Halbtonschritten besteht. Das ist das Intervall der “verminderten Quinte” - und darum heißt dieser Akkord auch “H vermindert” (engl. “B dim.” /diminished)

Die immer gleichen Aufbau-Muster der Akkorde einer Tonleiter werden üblicherweise mit römischen Ziffern bezeichnet. So kann man diese auch als Akkordstufen bezeichneten römischen Ziffern völlig von den konkreten Tonarten ablösen. Eine gutklingende Akkordfolge kann dann beispielsweise so notiert werden: “IV - IIm - IIIm - I”. Jetzt bleibt es euch überlassen, in welcher Tonart ihr das spielt (z. B. passend zur Stimmlage des Sängers).

I

II

III

IV

V

VI

VII

VIII

C-Dur

d-moll

e-moll

F-Dur

G-Dur

a-moll

h vermin.

C-Dur

 

Mit dem Wissen, welche Akkorde zur C-Dur-Tonart gehören, lässt sich jetzt leicht der Bogen zur praktischen Anwendung schlagen, denn ihr könnt,

1. wenn ihr Akkorde zur musikalischen Umsetzung eines Songtextes “ausprobiert”, nun ablesen, welche Akkorde ebenfalls zu C-Dur gehören und deswegen naheliegender Weise in eurer Komposition Verwendung finden sollten.

2. auch wenn ihr tonleiter-fremde Akkorde benutzt, zumindest den Teil des Songs, über den ihr später ein Solo spielen wollt, so konstruieren, dass er einer Tonart eindeutig zu zuordnen ist. Damit wird das Solo spielen erheblich einfacher.

3. wenn euch eine gegebene Akkordfolge vorgelegt wird, diese analysieren im Hinblick auf eine hoffentlich vorhandene Gesamt-Tonart und braucht daher nicht mehr lange herumexperimentieren, welche Tonleiter(n) ihr fürs Solo einsetzen könnt.

Natürlich braucht ihr dafür auch die Stufenakkorde aller anderen Dur-Tonarten! Ihr solltet auf jeden Fall in der Lage sein, diese selber von Hand konstruieren zu können. Also die Reihenfolge von “Dur” und “moll” in der römischen Ziffernfolge auswendig wissen. Trotzdem hier zum Ausdrucken eine tabellarische Übersicht für alle 12 Tonarten.

Zum Abschluß dieses Workshops habe ich die Töne der C-Dur-Tonleiter auf den Abschnitt des Gitarrengriffbretts übertragen, bei dem der Grundton “C” auch auf der tiefen E-Saite liegt. In direkter Nachbarschaft liegt darunter die a-moll-Tonleiter.

a-moll Skala C-Dur Skala

Nochmal: Beide Tonleitern bestehen aus den selben 7 Tönen! Sie unterscheiden sich nur durch die Grundtöne (schwarz ausgefüllt markiert). Das heißt dann auch für das Solo-Spiel, dass die Ausgangs-, Ruhe- und Zieltöne einer Solo-Phrase (Gitarren-Lick) je nachdem, ob ihr a-moll oder C-Dur spielen wollt, entweder “A” oder “C” sind.

Weil die natürliche a-moll-Tonleiter ziemlich “geschmeidig” klingt, kann man sie enorm aufpeppen, wenn man die Töne “H” und “F” (grün eingezeichnet) weglässt. Das hat zur Folge, dass die Tonleiter keine Halbtonschritte mehr aufweist und durch die jetzt vorhandenen größeren Intervalle sehr viel rauher rüberkommt. Die verbliebene Tonleiter besteht statt aus 7 Tönen also nur noch aus 5 Tönen (rot eingezeichnet). Deswegen heißt sie “Pentatonische Tonleiter”.

Zu einem Blues in a-moll ein Solo auf Basis der a-moll-Pentatonik zu spielen, gehört zum Repertoire eines jeden Gitarreneinsteigers. Aber spielt mal zu einer C-Dur-Tonart diese pentatonische Tonleiter, benutzt aber den Ton “C” als Grundton eurer Solo-Licks, denn natürlich ist auch die a-moll-Pentatonik, was ihre 5 Töne angeht, identisch mit der C-Dur-Pentatonik.

Lange Rede - kurzer Sinn: Wenn ihr die pentatonische Tonleiter samt einiger Licks bereits intus habt, könnt ihr dieses Können auch bei einer Dur-Tonart anbringen, wenn ihr euch klargemacht habt, welches die parallele Moll-Tonart ist (Tonleiter des 6. Stufenakkords bzw. für die ganz Eiligen: 3 Bünde tiefer als der Dur-Grundton --> “C” / 8. Bund minus 3 Bünde gleich “A” / 5. Bund)

Wenn ihr auch bereits die Dur-Tonleiter beherrscht, dann wechselt zwischen den beiden Tonleitern, da beide sehr gut und auch sehr unterschiedlich klingen, so dass ihr damit die Ausdruckskraft eurer Soli stark erhöhen könnt.

(c) 2000-2011 Rainer Kottke

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