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Powerchords  d o r o c k  - einfach, geil und laut

Sorry, aber bevor ihr durchstartet und euer Blutdruck gemeinsam mit dem Lautstärkeregler an eurem Gitarrenverstärker zu steigen beginnt, hier zu Anfang eine aber nur geringfügig deprimierende Info: In diesem ganzen Workshop geht es überhaupt nicht um Akkorde! Es geht um Intervalle! Genauer gesagt zunächst um das Intervall Quinte und später noch um die Quarte.

Akkorde bestehen nämlich aus mindestens drei Tönen. Weil wir uns in unserer abendländischen Musik mit einem Bestand von 12 verschiedenen Tönen begnügen (Ausnahmen gibt’s ja immer), könnte der schrägste Akkord also maximal aus 12 Tönen bestehen. Dazu bräuchte man schon 2 Gitarristen bzw. 2 Gitarren (2 x 6 Saiten = 12 mögliche Töne), um den zu Gehör zu bringen.

Die Namen der Intervalle bezeichnen dagegen den tonalen Abstand zwischen nur zwei Tönen (Prime, Sekunde, Terz, Quarte, Quinte, Sexte, Septime, Oktave). Beträgt dieser Abstand 5 Halbtöne (also 5 Bünde auf dem Griffbrett), dann spricht man von einem Quart-Intervall. Beträgt dieser Abstand 7 Halbtöne (= 7 Bünde), dann nennt man dies Quint-Intervall.

 

Wenn ihr also einmal abzählt, ausgehend von der leeren tiefen E-Saite, 5 Bünde nach oben, dann kommt ihr zum Ton “A”. Moment! Das kann kein Zufall sein, denn die nächst höhere Saite ist ja die A-Saite. Von der A wieder 5 Bünde aufwärts zählen: Es kommt der Ton “D”, der euch (z. B. auch beim traditionellen Stimmen) zur D-Saite führt. Erkenntnis: Mit Ausnahme der H-Saite ist die Gitarre in Quarten gestimmt. (Schreibt jetzt bitte kein Mail! Ich weiß es wirklich nicht, warum die H-Saite eine H-Saite und keine C-Saite ist, was natürlich dazu führen würde, dass die hohe e-Saite eigentlich eine F-Saite sein müßte!)

Der Gitarrengriff für das Quart-Intervall ist also einfach, zwei Saiten nebeneinander im selben Bund zu greifen (mit Ausnahme des Saitenpaars G- + H-Saite).

Wenn der Ton-Abstand der Quinte dann nochmal 2 Halbtöne/Bünde größer sein soll, dann heißt das für diesen Gitarrengriff: Ein beliebiger Ton auf einer Saite (als Grundton) zusammen mit dem Ton der nächst höheren Saite, der zwei Bünde weiter oben liegt: Das ist die Quinte! (Wieder mit der Ausnahme für G- und H-Saite)

Powerchords

Zusammen addiert ergeben Quart + Quint übrigens das Intervall der Oktave - führen also wieder zum Grundton zurück.

Jetzt aber rein in die Praxis mit einem einfachen Beispiel.

Schaut euch zunächst die Innenseite eurer rechten Hand an, teilt die Handfläche (ohne Fingerbereich) in 4 Viertel. Mit dem linken unteren Viertel dämpft ihr direkt vorm Steg gleichzeitig die Saiten ab, die ihr mit Daumen/Zeigefinger (besser Plektrum!) anschlagt. Legt diesen Teil des Handballens also sachte auf die Bass-Saiten der Gitarre - genau dort, wo die Schwingfähigkeit der Saiten an der Bridge endet.

Ihr greift den Quint-Griff mit Zeigefinger (2. Bund E-Saite) und Ringfinger (4. Bund A-Saite). Angeschlagen wird der 4/4-Takt in Achtel und nur mit Abwärtsanschlägen. Wenn das keine Probleme bereitet, dann versucht die Zählzeit “2u.” zu betonen, indem ihr diese etwas stärker anschlagt und nur für diese eine Zählzeit die Dämpfung mit dem Handballen kurz abhebt.

Gitarrentabs, Takt 1 + 2
Gitarrentabs, Takt 3 + 4

Im 2. Takt greift ihr mit dem kleinen Finger in den 5. Bund der E-Saite. Zeigefinger und Ringfinger rühren sich nicht von der Stelle!

 

Erst im 3. Takt greift ihr um: Zeigefinger in den 2. Bund A-Saite. Im 4. Takt dann noch den Ringfinger in den 4. Bund D-Saite.

Wenn ihr den definitiven endgeilen Rock-Rhythmus spielen wollt, dann betont die Zählzeiten “1” und “2u.”.

Die E-Gitarreros sollten allmählich den Verzerrer aufdrehen!!!

Und hier noch ein Beispiel mit Quint-Powerchords: Hörbeispiel 1

Greift die Quinte im 2. Takt mit Mittelfinger und Kleinem Finger, dadurch könnt ihr den Zeigefinger in allen 4 Takten im 2. Bund belassen und müßt ihn nur zwischen D- und A-Saite hin- und hersetzen.

 

Das G# im 4. Takt greift der Ringfinger.

2. Beispiel, Takt 1 + 2
2. Beispiel, Takt 3 + 4

Im Prinzip handelt es sich im 4. Takt um das Intervall der kleinen Terz: Ausgehend vom G# als Grundton sind es bis zum H (2. B. A-Saite) 3 Halbtöne/Bünde. Wenn man aber zu einem Akkord einen zusätzlichen Bass-Ton spielt und möchte nicht, dass der ganze Akkord nun nach diesem eingeschobenen Bass-Ton umbenannt wird, dann schreibt man den Namen des ursprünglichen Akkords und hinter einem Schrägstrich dann den hinzugefügten neuen Bass-Ton. Trotzdem ist meine Schreibweise immer noch nicht 100% korrekt, denn wenn man dieses Beispiel statt mit Quinten mit vollen Akkorden spielen wollte, dann hieße es richtig: a-moll - C-Dur - e-moll - e-moll/G#.

Während die Quint-Griffe verzerrt vor allem in der härteren Rockmusik und unverzerrt auch im Pop-Bereich vorkommen, sind die Quart-Griffe mit heftiger Verzerrung sehr häufig im Metal-Bereich anzutreffen.

Hier nun ein Beispiel, bei dem die linke Hand mal etwas mehr zu tun bekommt: Hörbeispiel 2

Quarten, Metal Gitarrenriff

Ihr greift mit dem Ringfinger den 3. Bund E-Saite und mit dem Kleinen Finger den 3. Bund A-Saite.

Den Quart-Griff im 2. Bund (A- und D-Saite) greift ihr als “Kleinst-Barré” mit dem Mittelfinger.

Den Quart-Griff im 1. Bund (A-/D-Saite) greift ihr ebenfalls nur mit der Spitze des Zeigefingers.

Die zunächst etwas unbequeme Griffweise, zwei Saiten mit nur einem Finger zu greifen, hat den großen Vorteil, dass ihr mit der Hand überhaupt nicht rumrutschen braucht. Auf diese Weise könnt ihr dieses Metal-Riff mit nur wenig Übung bald in einer beeindruckenden Geschwindigkeit spielen.

Die beiden ersten Takte werden zweimal durchgespielt, erst nach dem zweiten Mal spielt ihr den 3. Takt. Hier schlagt ihr einfach auf “1” die leeren Saiten “A” und “D” an und lasst das Ganze mit standesgemäßem Sustain/Nachklang (evtl. unter Einsatz des Tremolo-Hebels oder mit Verstärker-Feedback) 2 Takte lang ausklingen. Wer ohne Verzerrer auskommen muß, schlägt besser im 4. Takt nochmal nach.

Anschließend könnt ihr das ganze Riff um eine Saite nach oben verschieben:

Gitarrenriff, von der A-Saite aus gespielt

 

Und zu guter letzt noch ein Riff, das es wirklich in sich hat. Die Schwierigkeit liegt darin, dass 2 Achtel-Anschläge des gleichen Griffs nicht zu der selben Zählzeit gehören. Und das ist für den Einsteiger ziemlich verwirritierend.

Gitarrenriff für Profis

Achtet hier wirklich darauf, mit dem Fuß mitzuzählen und kontrolliert, dass bei den Zählzeiten “2u” und “3u.” die Fußspitze tatsächlich oben ist.

Extra betonen solltet ihr die Zählzeiten: “2” / “3u.” (1. Takt) sowie “1” / “2u.” (im 2. Takt)!

Zunächst ist die Sache noch einfach: Der erste Quart-Griff wird angeschlagen auf “1” und “1u.”. Kein Problem. Jetzt folgt ein Achtel-Anschlag des Griffs im 2. Bund und nun folgen wieder 2 Anschläge des ersten Griffs. ABER der erste Anschlag gehört zur Zählzeit “2u.” während der zweite Anschlag gerade auf die “3” kommt.

Spielt das Riff abwechselnd von der tiefen E-Saite ausgehend und von der A-Saite ausgehend. (dh. komplett um eine Saite nach oben verschoben)

Wenn ihr schon 2-3 Verzerrer hintereinander geschaltet habt. Wenn ihr die Tonabnehmer in der Gitarre schon so hoch geschraubt habt, dass sie fast die Saiten berühren. Wenn alle Volumen-Regler am Verstärker auf  “10” stehen + Bässe und Höhen auf 10 + Mitten runter auf ca. 3. Wenn ihr die Erweiterungsbox schon angeschlossen habt ... und wenn dann immer noch nicht genug Power rauskommt, dann stimmt die Gitarre mal 2 Halbtöne tiefer und spielt die Riffs dieses Workshops nochmal! Ist das geil, ist das laut?

Viel Spass und Erfolg beim Üben!

(Und wenn ich schon dabei bin, i-Tüpfelchen-Tipps für den E-Gitarren-Hammersound zu verraten, dann ist dies zwar kein weiteres Geheimnis - sondern eher eine Ermahnung - aber frische Gitarrensaiten sind einfach immens wichtig!)

(c) 2000-2011 Rainer Kottke

USt-IdNr.: DE812732415

Süderstraße 30, D-26835 Holtland

Tel.: 04950-989900

eMail: r.Kottke@geilundlaut.de

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