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Eine Klarstellung vorneweg: Es ist grundsätzlich möglich, jede Art von Musik auf jeder der unterschiedlichen Gitarrenformen zu spielen. Man kann genauso auf einer E-Gitarre klassische Musik spielen wie Hardrock auf einer Konzertgitarre. Und es ist grundsätzlich möglich, auf jeder Gitarrenform (Konzert-, Westerngitarre oder E-Gitarre) das Hobby zu beginnen. Auch kann später selbstverständlich noch gewechselt werden bzw. ein weiterer Gitarrentyp hinzukommen. All diese Dingens aus Holz, mit 6 Drähten dran, wozu man doll laut singen kann, sind Gitarren mit derselben Stimmung, denselben Akkorden und denselben Tönen und Tonleitern! Aber es ist wohl einsehbar, dass es keine unterschiedlichen Gitarren-Formen (mit wiederum unterschiedlichen Unterformen) geben würde, wenn nicht eine jede davon einer bestimmten Musikrichtung bzw. einem bestimmten Typus von Gitarristen näher stünde als eine der anderen Bauformen. Geschätzt kann man etwa 95 % aller Akustikgitarren einem der zwei Hauptlager, Steelstrings bzw. Westerngitarren oder Klassische Gitarren bzw. Konzertgitarren recht eindeutig zuordnen. Die restlichen 5 % sind als Exoten getrost zu vernachlässigen. Da Spanien als das Mutterland der Konzertgitarre gilt, findet man gelegentlich für diesen Gitarrentyp auch den Namen Spanische Gitarre. Am besten geeignet, die beiden Bauformen zu beschreiben, sind wohl die Namen Steelstring (= Akustikgitarre mit Stahlsaiten) und Klassische Gitarre (= Gitarre in der alten klassischen Bauweise). Auch der Laie kann beide Typen leicht an den unterschiedlichen Kopfplatten erkennen: |
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Vergoldete Mechaniken mit Flügeln aus schimmerndem Acryl-Kunststoff |
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Die Mechaniken bestehen hier komplett aus Metall und sind verchromt. |
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Die Kopfplatte der Westerngitarren “ziert” normalerweise stets der Name oder zumindest das Logo des Herstellers. Dagegen sind die Kopfplatten der Konzertgitarren in der Regel nicht beschriftet. Nähere Informationen zu den Instrumenten findet man aber auf einem Aufkleber im Innern unterhalb der Saiten. |
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Der Hersteller-Name vieler Instrumente ist ein reines Kunstprodukt und dient Gründen der besseren Verkaufbarkeit. Es ist leicht nachvollziehbar, dass ein klangvoller spanischer oder amerikanischer Name attraktiver ist als der Name eines chinesischen Fabrikbesitzers! Doch im Einsteigerbereich trifft man zu 99% auf Instrumente aus Fernost, denn in Europa oder in den USA hergestellte Gitarren sind üblicherweise für den Anfänger einfach viel zu teuer. Die “Hauptlieferanten” sind heute mit großem Abstand die chinesischen Produzenten. Seltener findet man auch im Einsteigerbereich noch Musikinstrumente aus Korea, deren Qualität sehr viel besser ist als die der China-Gitarren. Daneben spielen Gitarren aus Indonesien und Vietnam noch eine kleinere Rolle. Selbst die Einsteigermodelle bekannter Top-Marken sind entweder von der Marke “zugekaufte” chinesische Gitarren oder der Markenhersteller hat inzwischen selbst eine Produktionsstätte in China aufgebaut. Es ist ein gutes Zeichen, wenn der Aufkleber der Gitarre eine Seriennummer zuordnet. Das weist daraufhin, dass der Gitarrenhersteller dieses Instrument für ausreichend kostbar hält, dass es diesen zusätzlichen Katalogisierungsaufwand verdient hat. Bei sehr teuren Gitarren findet man auch die Angabe des Baujahrs und manchmal sogar eine Unterschrift des verantwortlichen Gitarrenbauers. Fehlt der Aufkleber des Herstellers, sollte man die Finger vom Instrument lassen. Möglicherweise soll hier mit falschen Modellangaben betrogen werden. |
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Fichte-Mahagoni ist eine bei Konzertgitarren sehr beliebte Holzkombination |
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Die Positionen der Bundstäbe im Griffbrett hat der Gitarrenbauer genau errechnet. Grundlage dazu ist eine Formel, in die die Länge der freischwingenden Saite also die Mensur eingesetzt wird. Der Raum zwischen zwei Bundstäben ist der Bund. Greift man eine bestimmte Saite in einem bestimmten Bund und schlägt die Saite an, so erklingt auch ein bestimmter vorhersagbarer Ton (Wenn die Gitarre richtig gestimmt ist). In der Regel werden die Saiten direkt vor dem Schallloch angeschlagen. Durch diese Öffnung verlässt der Innenklang der Gitarre gebündelt das Instrument. Die Gitarrensaiten erzeugen aber auch aussen auf der Gitarre einen Klang, selbst der Hals hat einen eigenen Klang und eine frische Saite klingt auch wieder ganz anders als eine alte, abgespielte und verschmutzte. Der gute Klang einer Akustikgitarre ist darum ein Mischergebnis mehrerer unterschiedlicher Faktoren. Die Hauptrolle, was den Wohlklang einer akustischen Gitarre angeht, spielt aber unbestritten die Gitarrendecke. Als Decke bezeichnet man die Vorderseite des Korpus, während die Rückseite des Instruments als sein Boden bezeichnet wird. Der Gitarrenrand wird schließlich die Zargen genannt. Wenn die fertige Gitarre nicht gerade satt mit deckender Farbe überlackiert wird, so könnte man theoretisch den Übergang (die Leimnaht) oben zwischen Decke und Zargen und unten zwischen Zargen und Boden erkennen. Um das zu verhindern wird mindestens die obere Naht mit einem Zierstreifen eingefasst. Man spricht dabei von der Randeinfassung bzw. engl. Binding. |
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Die harten Stahlsaiten der Westerngitarren können nicht einfach mit der Brücke verknotet werden, statt dessen befinden sich 6 Löcher in der Brücke. Hinter dem Steg werden die Saiten umgeknickt, jeweils in eines dieser Löcher eingefädelt und mit kleinen Stiften aus Plastik oder Holz (Stegstecker) festgeklemmt. |
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Der Korpus (Boden u. Zargen) dieser Gitarre besteht aus einem nußbaumähnlichen Holz aus Afrika, das Ovangkol heißt. Neben dem Deckenrand ist auch der Boden mit einer Randeinfassung (Boden-Binding) auffällig verziert. |
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Quasi-Halbzeit dieses Workshops Kurz zur Erinnerung: Die Konzertgitarre wird mit Nylonsaiten bespannt. Ihre Form und technische Ausstattung geht zurück auf eine traditionelle klassische Bauweise. Dagegen ist die Westerngitarre der moderne Vertreter der Akustikgitarren. Sie ist größer, mit Stahlsaiten bespannt und technisch aufwendiger ausgestattet. Es sollte also keine Überraschung hervorrufen, dass die Westerngitarren teurer sind als die Klassischen Gitarren. Allerdings muß man beim Vergleich stets ein ähnliches Qualitätsniveau (Ausstattung und Verarbeitung) zu Grunde legen. Nachdem nun die wichtigsten Merkmale und Unterschiede beider Gitarrenformen bekannt sind, rückt jetzt die Person des zukünftigen Gitarreneinsteigers in den Mittelpunkt der Betrachtung. Hier sind vor allem zwei Fragen von besonderer Bedeutung: A) Welche Rolle spielen Alter und Körpergröße des angehenden Gitarristen? B) Welche musikalischen Vorlieben (Musikstile) werden von welcher Gitarrenform besser unterstützt? |
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Welche musikalischen Vorlieben / Musikstile werden von welcher Gitarrenform besser unterstützt? Es gibt wohl nur drei Musikrichtungen, die völlig zweifelsfrei der Steelstring bzw. der Konzertgitarre zugeordnet werden können. Erstens ist dies die klassische Musik, die sich so bekannten Komponisten wie Bach oder Beethoven widmet, sich aber viel auch mit eher nur bei entsprechenden Gitarrenfans bekannten spanischen Komponisten beschäftigt (die hauptsächlich nur für dieses Instrument komponiert haben). Dies ist das ureigene Feld der Konzertgitarre. Zweitens lässt sich die gesamte amerikanische Folkmusik, Country & Western, sowie der davon historisch getrennt zu betrachtende Blues, der Steelstring zuordnen. Daher auch logischwerweise der (etwas die Sicht verengende) Name Westerngitarre. Drittens gehört der Flamenco wiederum in den Bereich der Klassischen Gitarre, wenn für diese recht harte Spielweise oft aber auch weiter spezialisierte Modelle als entsprechende Flamenco-Gitarren angeboten werden. Wer auf seiner zukünftigen Gitarre Weihnachtslieder, Volkslieder, Protestlieder, Schlager, Pop- und Rocksongs spielen will, hat die freie Auswahl. Wie weiter oben bereits erwähnt, ist die Westerngitarre etwas lauter als das Konzertmodell. Auch ist ihr metallischer Saitenklang durchdringender und intensiver, besonders wegen der stärkeren Betonung der Höhen. Der Sound der Konzertgitarre ist dagegen warm und weich, ein sehr organischer Klang, der für Pop & Rock auch sehr “funky” sein kann. Man hört oder liest manchmal die Ansicht, dass Western- und Konzertgitarren unterschiedlich schwer zu bespielen sind. Namentlich die Konzertgitarre wäre einfacher zu greifen und zu zupfen, warum sie auch das mit Abstand gängigste Gitarren-Einsteigermodell sei. Tatsächlich brauchen die Fingerkuppen des Gitarrenanfängers etwas mehr Gewöhnung an die sehr stramm gespannten Saiten der Steelstring. Einige unangenehme Blasen müssen abklingen und die Fingerspitzen erst noch eine dickere und damit festere Haut bilden. Wenn aber die Westerngitarre in der Verbreitung der Konzertgitarre mit etwas Abstand hinterherläuft, so liegt dass doch vor allem am höheren Anschaffungspreis und nicht daran, dass etwa nur fortgeschrittene Gitarristen die Stahlsaiten in den Griff kriegen könnten. Ein Blick auf die Instrumente der weltbesten und berühmtesten Akustik-Gitarristen zeigt, dass Steelstring und Konzertgitarre dort gleichermaßen vertreten sind, wobei der eine Künstler bei der einen und der andere Künstler bei der anderen Gitarrenform sein (hauptsächliches) Zuhause gefunden hat. |
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Hier abschließend noch einige Kauftipps: Es wurde schon darauf hingewiesen, dass die Qualität der Gitarrendecke maßgeblich am Klang der Gitarre beteiligt ist. Um Kosten zu reduzieren und dabei trotzdem eine einwandfreie Optik der Gitarrendecke zu gewährleisten, bekommen im preisgünstigen Einsteigerbereich die Instrumente in der Regel Decken aus dreilagigem Sperrholz. Nur die äußere sichtbare Schicht ist einigermaßen tadellos. Das Schwingungsverhalten der Sperrholzdecke ist schlechter als das einer massiven Decke. Dieses Herstellungsverfahren ist aber trotzdem nicht grundsätzlich abzulehnen, denn wenn die Gitarre ordentlich gearbeitet ist, wird sie trotzdem ansprechend klingen. Aber ACHTUNG: Alle Gitarrendecken, die nicht ausdrücklich als massiv beschrieben werden, sind aus Sperrholz. Auch der Begriff “laminierte Decke” meint dasselbe. Der Begriff “Fichtendecke” meint Sperrholzdecke aus Fichte! Wenn Boden und Zargen der Gitarre mit einer deckenden Schicht Farbe in irgendeinem Braunton lackiert sind, so kann man darunter nur ein preiswertes NoName-Holz vermuten. Der Begriff “Ausführung-Natur” wird hier oft verwendet, obwohl er eigentlich unzutreffend ist. Wird behauptet, dass so ein überlackierter Korpus aus Mahagoni besteht, ist besondere Vorsicht geboten. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Gitarrenbauer so schön gemaserte Hölzer wie Mahagoni und das ähnliche Nato “dichtlackieren”. Tatsächlich ist oft nur mahagonifarbig = dunkel rötlichbraun gemeint. Schwarze hochglanzlackierte Instrumente sehen zwar sehr cool aus, “wer aber schön sein will, muß leider leiden”. Die Rückstände der Gitarristenhände in Form von Fett und Schweiß sind umso deutlicher zu erkennen, desto dunkler die Lackierung ausfällt. Häufiges Putzen ist bei den schwarzen Schönen also unbedingt angesagt. Wer mit seiner Gitarre zum Unterricht in die Musikschule, zur Gitarrengruppe oder zu Freunden will, der braucht auf jeden Fall eine spezielle Instrumententasche (GigBag). Wer die Tasche gleich zusammen mit der Gitarre kauft, kann da ganz sicher einen Preisnachlass raushandeln. |
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