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Bitte anschnallen - es folgt das Solo ( Part I)

Hier finden preisbewußte Musiker ihr amtliches Equipment

mailto: r.Kottke@geilundlaut.de


Aus den unendlichen Tiefen Zentral-Ostfrieslands kommt hier der Workshop Nr. 8. Ich denke, es wäre doch gelacht, wenn euch dieser nicht in Kürze - zu Lead-Gitarristen macht !

Es fehlt euch noch an der Laute ? Klampfe ? Death-Metal-Distortion ?

Ich kannte einen, der schaute - gern bei Frisia Toene rein. Sein Vermögen war klein - das Begehren groß, dort gab es alles - ganz wunderbar - für wenig Moos.


Dieser Workshop ist eine Einführung in die Grundlagen des freien also improvisierten Solo-Spiels auf der Gitarre. Geeignet daher für Leute, die auf diesem Gebiet keine oder nur wenig Vorkenntnisse mitbringen, ausserdem keineswegs nur  für die E-Gitarre gedacht sondern durchaus auch für Akustikgitarristen interessant.

Der wichtigste Grundgedanke, den ihr ohne Wenn und Aber verinnerlichen müßt, wenn ihr solo spielen wollt, ist der, dass ein gutes Solo aufgebaut ist wie ein gesprochener Text. Das heißt euer Solo ist eine Sprache, die ihr sprecht, der die Zuhörer folgen können, die also auch einen Sinn haben sollte !

Während ein geschriebener Text (wie dieser Workshop) einer sehr strengen Struktur unterworfen ist (Rechtschreibung, Zeichensetzung, Zeilenlänge, Buchstabengröße, ...), kann der gesprochene Text viel freier gestaltet werden: Man kann schnaufen, sich räuspern, Dialekte sprechen, Fremdwörter einbeziehen, lauter und leiser werden, ... Aber wichtig bleibt, dass man verstanden werden will !

Ein gesprochener Text besteht aus Sätzen, den kleineren Bestandteilen den Wörtern und den nicht verbalen Bestandteilen wie Pusten, Schnaufen, Räuspern usw.

Aufs Gitarrensolo übertragen sind die Bestandteile: Licks (Sätze), Noten (Wörter) und spezielle Effekte wie Feedback, Tremolo, mit der Kante des Pleks die Saiten kratzen usw.


Einem Satz aus drei Wörtern wie z. B. “Ich spiele Gitarre” kann man durch Umstellen der Wörter einen anderen Klang geben, wodurch sich auch der Sinn dieses Satzes verändern lässt: “Gitarre spiele ich!” oder “Spiele ich Gitarre?”

Und Licht aus - Spot an, hier das vergleichbare Beispiel auf der Gitarre:

gitarrenlick-01
gitarrenlick-02
gitarrenlick-03

Dies sind 3 Gitarrenlicks, die jeweils aus den selben 3 Tönen bestehen. Die Reihenfolgen der Noten entsprechen dem Beispiel mit dem “Ich spiele Gitarre”-Satz.

Der Takt dieser Licks ist ein 4/4-Takt, ihr zählt also von 1 bis 4 und klopft den Rhythmus mit dem Fuß mit. Die Töne im 5. Bund greift ihr mit dem Zeigefinger und die Töne im 7. Bund mit dem Ringfinger.

Der Bogen, der an die dritte Note anghängt ist, weist euch an, dass diese Note bis einschließlich Zählzeit 4 ausklingen soll.

Spielt diese drei Licks in einem (sehr) langsamen Tempo ohne Unterbrechung hintereinander.

Alternativ könnt ihr auf der 4. Zählzeit auch eine Viertel-Pause spielen, dazu hebt ihr den Ringfinger nach der 3. Note von der G-Saite ab und dämpft gleichzeitig alle 6 Saiten mit dem Handballen der rechten Hand ab.


Die große Frage, die ihr vor dem Solo klären müßt, ist die nach den richtigen Tönen, aus denen die Licks zusammengesetzt werden dürfen, damit das Ganze auch melodisch zu den vorgegebenen Hintergrundakkorden passt. Also die Frage: “Welche Tonart spielen wir eigentlich?”

Prinzipiell passen natürlich erstmal immer die Töne, die zusammen den jeweiligen Akkord bilden, über den ihr solieren wollt. Licks aus diesen Akkord-Tönen heißen Arpeggios. Allerdings ist das reine Spielen von Arps nicht sehr abwechselungsreich. Dazu kommt, wenn das Playback aus sehr aufwendigen und schnell gespielten Akkordfolgen besteht, ist es sehr schwierig den Überblick zu behalten.

Es ist viel einfacher, wenn man die (Gesamt-)Tonart des Playbacks kennt und damit weiß, welche Tonleiter dazu passt - egal an welcher Stelle bzw. zu welchem Akkord. Mehr Infos zu diesem Thema findet ihr in dem Workshop 06 “Theorie?! Einstieg für Aufsteiger”

Hier taucht in der Praxis nun ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen menschlicher Sprache und Gitarrensolo auf, denn lernt ihr eine neue Sprache, dann lernt ihr zunächst die Wörter (Vokabeln) und dann, wie ihr damit Sätze bilden könnt. Für nen geiles Gitarrensolo braucht ihr im Gegenteil die einzelnen Noten erstmal gar nicht zu kennen. Ihr lernt nämlich gleich die Sätze dieser “Musiksprache”, also die Gitarrenlicks. Und umso größer euer Repertoire an Licks ist, desto vielfältiger, beeindruckender, könnt ihr euer Gitarrensolo aufbauen. (Sehr viele Licks lassen sich übrigens praktischerweise durch einfaches Verschieben auf dem Griffbrett gleich in mehreren Tonarten verwenden.)


Alle jetzt folgenden Licks entstammen der Pentatonischen Tonleiter in a-moll (a-moll-Pentatonik). Wie alte Griechen sofort vom Wort ableiten können, besteht diese Tonleiter nur aus 5 Tönen. Sie ist die erste Tonleiter, die der E-Gitarreneinsteiger unter die Finger bekommt. Diese Tonleiter ist äußerst gutklingend und lässt sich mit zwei weiteren Tönen zur “normalen” a-moll-Tonleiter erweitern. Sie verliert deshalb später auch für fortgeschrittene Gitarristen auf keinen Fall ihre wichtige Bedeutung.

Hier nun die a-moll-Pentatonik in ihrer Basis-Skala, dh. mit dem Grundton “A” auf der tiefen E-Saite:

a-moll-pentatonik

Spielt die Tonleiter zunächst in einem (sehr) langsamen Tempo aufwärts und abwärts, damit ihr euch ihren Klang einprägen könnt. Wenn ihr stoppt, dann nur auf den schwarz markierten Grundtönen.

Weil das Lernen von Gitarrenlicks zunächst mal eine ziemlich öde Sache ist, solltet ihr den Spassfaktor auf jeden Fall damit drastisch erhöhen, dass ihr euch Playbacks aufnehmt, über die ihr dann die Licks ausprobieren bzw. üben könnt. Ein alter Radiorecorder mit eingebautem Mikrofon reicht dazu völlig aus. Es ist aber ganz wichtig, dass ihr die Gitarre vor jeder Aufnahme auf korrekte Stimmung kontrolliert - möglichst Stimmgerät benutzen!

Die a-moll-Pentatonik passt z. B. zu diesen Akkordfolgen:

1) <<   a-moll   /   C-Dur   /   a-moll   /   d-moll   >>

2) <<   a-moll   /   C-Dur   /   G-Dur   /   a-moll   >>

3) <<   a-moll   /   d-moll   /   G-Dur   /   C-Dur   >>

4) <<   a-moll   /   d-moll   /   a-moll   /   e-moll   /   d-moll   /   a-moll   >>


Zunächst nocheinmal das Lick aus dem “Ich spiele Gitarre”-Beispiel. Allerdings jetzt in Achtelnoten, d. h. das Lick (No. 4) wird jetzt doppelt so schnell gespielt als im Beispiel oben (Licks 1-3). Zusätzlich wird die letzte Note zur Betonung 2-mal angeschlagen:

Achtet auf die Zählzeiten: Auf “1u” und “2u” erreicht euer wippender Fuß den höchsten Punkt ! Lasst die Note im 7. Bund/G-Saite den Takt ausklingen und zählt unbedingt weiter, damit ihr beim Wiederholen des Licks im nächsten Takt wieder genau auf die “1” trefft.

Gitarrenlick-04

Denkt weiterhin an die strikte Aufteilung: Alle Töne im 5. Bund werden mit dem Zeigefinger gegriffen, alle Töne im 7. Bund mit dem Ringfinger und die drei Töne im 8. Bund mit dem Kleinen Finger.

Achtet darauf mit dem Plektrum die Saiten konsequent abwechselnd von oben und unten anzuschlagen.

Gitarrenlick-05

Und hier Lick No. 5, das Gleiche aber “quasi”-rückwärts gespielt.

Dazu nun als Hörbeispiel die Akkordfolge 1 (s.o.) und darüber beide Gitarrenlicks.

1. Hörbeispiel

Gitarrenlick-06
gitarrenlick-07

Das Lick No. 6:

Etwas schwieriger, weil ihr gleich zu Beginn bei den ersten beiden Achtelnoten den Zeigefinger von der H- auf die G-Saite umsetzen müßt. (langsam anfangen!)

Spielt Lick No. 4 vorweg und lasst darauf Lick Nr. 6 folgen!

Lick 7 sollte euch keine Schwierigkeiten bereiten. Achtet darauf wie dieses Lick das folgende Mini-Solo melodisch auf dem Grundton abschließt.

Im 2. Hörbeispiel spiele ich die Akkordfolge 2 (s.o.) und darüber die Licks: No.: 4 / 6 / 4 / 7.

2. Hörbeispiel

gitarrenlick-08

Das Lick 8 fängt zunächst auch ganz einfach an, denn ihr spielt die Pentatonik-Skala vom mittleren “A” (7. B. / D-Saite) einfach abwärts. Dann auf der Zählzeit “4” verlasst ihr aber die Basis-Lage auf dem Griffbrett und geht mit dem Zeigefinger runter in den 3. Bund. Das Lick endet dann wieder mit dem Grundton “A”, der auf die “1” des folgenden Taktes fällt und den ganzen Takt ausklingt.

Das Praktische daran, wenn man sein Solo vom mittleren Grundton (D-Saite) aus aufbaut, ist dass man die Möglichkeit hat, spontan zu entscheiden, ob das nächste Lick zu den Bass-Saiten runterführen soll (wie gerade Lick No. 8) oder ob man, um die Spannung in die Höhe zu treiben, sich Richtung dünner E-Saite nach oben orientiert.

Hier die Licks 9-11:

gitarrenlicks 09 bis 11 lick10 lick11

Es handelt sich bei diesen Licks im Grunde immer um die gleiche Figur, die jeweils nur um eine Saite tiefer verschoben wird. Wenn ihr das Lick No. 11 noch zweimal um eine Saite tiefer verschiebt: also als nächstes auf der D-Saite beginnen, dann nochmal auf der A-Saite beginnen (Achtung die 3. Note ist dann das “C” im 8. Bund/E-Saite, vgl. o. Pentatonik-Skala), dann erhaltet ihr insgesamt 5 Licks. Spielt ihr diese Licks direkt hintereinander weg, schließt das Ganze mit dem Ton “A” auf der E-Saite/5.Bund ab, schon habt ihr eine prima Aufwärmübung, bei der ihr sowohl eure Fingerfertigkeit/-kraft verbessern als auch die Tonleiter selbst üben könnt.

Für Lick No. 12 habe ich die Licks 9-11 zusammengezogen und in nur 2 statt 3 Takte gepackt:

gitarrenlick-12

Hörbeispiel: Akkordfolge 3 (s.o.) + Lick No. 12:

Hörbeispiel

Übt dieses Lick zunächst wirklich langsam - solange bis ihr es ohne auf die Tabulatur zu schauen spielen könnt - ,dann steigert das Tempo schrittweise.


Ein paar Tipps zum Schluss:

Wenn ihr ein Lick sicher beherrscht, dann spielt es auch (mit der gleichen Pentatonik-Skala) um eine Oktave höher, das sind die Bünde 17-20 (geht natürlich nur auf der E-Gitarre).

Bastelt euch eigene Licks aus dem Tonmaterial der Pentatonik-Skala. Versucht auch mal die leere A-Saite einfließen zu lassen. Oder versucht bei einem Lick auch mal eine benachbarte Saite zu überspringen.

Wenn ihr ein gut klingendes Lick entwickelt habt, schreibt es euch auf.

Transponiert die Licks in eine andere Tonart: Z. B. alles (Akkordfolge + Licks) um 2 Halbtöne/2 Bünde nach unten (G) oder nach oben (H) verschieben.

Tauscht eure Licks mit befreundeten Gitarristen.

Wenn ihr E-Gitarre spielt, versucht die Auffälligkeit eures Solos dadurch zu erhöhen, dass ihr einen anderen und noch markanteren Sound beim Solo einsetzt (ganz wichtig: Pickup-Auswahl, dazu eventuell Fußpedal-Effekte, Volumen-/Tone-Regler an der Gitarre einsetzen)

Seid kreativ !


Diesem Workshop wird auf jeden Fall eine Fortsetzung folgen: Mehr Licks und vor allem dann die typischen E-Gitarren-Spieltechniken wie Vibrato, Slide und Bending.

Fragen, Anregungen und Kritik bitte an die oben angegebene eMail-Adresse.

(c) r.Kottke 2000 www.geilundlaut.de

Meine Gitarre - diese Wunderschöne - kaufte ich bei Frisia Toene ;-)